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Nervenerkrankung

Die diabetische Nervenerkrankung (Polyneuropathie)

Die diabetische Nervenerkrankung ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Sie tritt bei jedem dritten Diabetiker auf und muss rechtzeitig vom Arzt diagnostiziert und behandelt werden, um weitere Komplikationen zu verhindern.

Die ersten Anzeichen - worauf Sie achten sollten?

Aufgrund des Diabetes mellitus und den damit verbundenen erhöhten Blutzucker wird das periphere Nervensystem geschädigt. Der Arzt nennt diese Erkrankung im Fachjargon diabetische Polyneuropathie. Dieser Prozess geht sehr langsam vor sich und sollte vom Arzt so früh wie möglich erkannt werden, damit eine frühzeitige Behandlung dieser Krankheit durchgeführt werden kann.

Auch Sie können die ersten Anzeichen dieser Krankheit frühzeitig erkennen. So sind die Anzeichen dieser Nervenerkrankung vielfältig. Die wichtigsten davon sind:

  • Kribbeln an Händen und Füßen
  • Pelzigkeitsgefühl an Händen und Füßen
  • Taubheitsgefühl an Händen und Füßen
  • Schmerzen an den Füßen während der Nachtruhe

Sollten Sie eines dieser Anzeichen verspüren, sollten Sie Ihrem Arzt davon berichten. Er wird Sie schnell auf die Möglichkeit einer diabetischen Polyneuropathie hin untersuchen. Frühzeitig erkannt, kann diese Krankheit gut behandelt werden. Dabei ist der Arzt allerdings auf Ihre Mithilfe angewiesen.

Diabetische Polyneuropathie - was ist das für eine Erkrankung?

Diabetische Polyneuropathie ist der Fachausdruck für eine Nervenerkrankung, die häufig durch hohe Blutzuckerwerte verursacht wird.

Das erste Anzeichen einer beginnenden Polyneuropathie ist ein Kribbeln an den Füßen bzw. an den Unterschenkeln. Gelegentlich kann das Kribbeln auch an den Händen auftreten.

Viele Diabetiker empfinden dieses Kribbeln auch als "Ameisenlaufen oder Pelzigkeitsgefühl". Wird dieses Anfangsstadium dieser Krankheit nicht vom Arzt erkannt, kann dieses Gefühl im weiteren Verlauf der Erkrankung zu starken Schmerzen an den Beinen und Füßen führen. Diese Schmerzen treten besonders in Ruhe auf, wie z.B. während des Fernsehens. Bei manchen Diabetikern sind diese Missempfindungen der diabetischen Polyneuropathie so stark, dass sie nachts die Bettdecke auf ihren Füßen nicht ertragen können. Wird die diabetische Polyneuropathie in diesem Stadium nicht vom Arzt behandelt, können diese Symptome in Taubheitsgefühl übergehen. Sollte dieses Stadium eintreten, ist es besonders wichtig, dass diese Diabetiker ihre Füße täglich intensiv pflegen. Kleine Verletzungen und Deformationen müssen Sie dem behandelnden Arzt sofort zeigen. Das Taubheitsgefühl stellt eine große Gefahr dar: Die Diabetiker spüren nicht, ob sie in etwas reingetreten sind oder ob die Schuhe zu eng sind. Dies hat zur Folge, dass uninformierte Diabetiker oft schwere Fußverletzungen haben, ohne den Arzt im Frühstadium zu unterrichten. Schwere Fußverletzungen heilen langsam. Deshalb sollte alles von Ihnen dafür getan werden, dass es nicht zu diesen Verletzungen kommt.

Es ist deshalb wichtig, Ihren Arzt sofort über das Auftreten der ersten Symptome einer diabetischen Polyneuropathie zu informieren und gemeinsam mit dem Arzt eine adäquate Therapie der diabetischen Polyneuropathie durchzuführen.

Gemeinsam mit dem Arzt sind Sie der eigentliche Manager der Erkrankung. Alles was Sie beachten müssen, ist auf unseren Internet-Seiten (Fußprobleme bei Diabetes? - Nein danke! / Fußgymnastik bei Diabetes (Beispielübungen)) zusammengefasst. Sollten Sie Fragen haben, so sind wir vom Deutschen Diabetiker Bund für Sie da. Ein Netz von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet Ihnen Gesprächsmöglichkeiten unter Betroffenen. Denn "gemeinsam sind wir stärker!"

Wie entsteht eine solche Nervenerkrankung als Folge des Diabetes?

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel für das Auftreten einer diabetischen Polyneuropathie verantwortlich ist. Dieser erhöhte Blutzuckerspiegel verklebt die Blutgefäße, die auch die Nerven in Armen und Beinen mit Blut versorgen, so dass es zu Durchblutungsstörungen der Nervenfasern kommt. Dies hat zur Folge, dass der Nerv nicht mit der ausreichenden Menge Sauerstoff versorgt wird. Dabei kommt es zu Kurzschlussreaktionen, die die Nerven schädigen.

Zu Beginn einer diabetischen Nervenerkrankung ist der Nerv nur leicht geschädigt. Wird diese Erkrankung jedoch nicht durch Sie oder Ihnen Arzt erkannt, so wird im Verlauf der Erkrankung der Schaden für die Nervenzellen größer und die Nervenzellen sterben ab. Dieses Absterben der Nervenzellen spürt der Diabetiker durch das Auftreten des Taubheitsgefühls.

Sie und Ihr Arzt sollten alles dafür tun, um das Absterben der Nervenfasern zu verhindern. Am wichtigsten ist eine gute Blutzuckereinstellung. Sind Sie such nicht sicher, helfen wir, der Deutsche Diabetiker Bund, Ihnen weiter.

Therapiealternativen der diabetischen Polyneuropathie

Neueste medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass die beste prophylaktische Maßnahme eine optimale Blutzuckereinstellung ist. Je weiter Ihr Blutzucker von dem von Ihrem Arzt vorgeschlagenen Wert abweicht, um so wahrscheinlicher ist es, dass sich mit der Zeit eine diabetische Polyneuropathie entwickelt. Sie können die Behandlung des Arztes aktiv unterstützen

durch regelmäßige Blutzucker-Selbstkontrolle.

Wenn Sie orale Antidiabetika (Tabletten) einnehmen oder Insulin spritzen, sind regelmäßige Blutzucker-Selbstkontrollen notwendig, die in unserer modernen Zeit doch sehr einfach durchzuführen sind.

Insbesondere Typ-2-Diabetiker sollten sich sportlich betätigen, da sich Bewegung positiv auf den Diabetes auswirkt. Falls Ihnen Sport zu treiben alleine keine Freude macht, haben wir vom Deutschen Diabetiker Bund Sportgruppen in vielen Städten gegründet.

Eine gesunde Ernährung, hilft neben Ihrer medikamentösen Behandlung, den Blutzucker und die Blutfettwerte auf Normalniveau zu halten. In vielen Krankenhäusern und Diabetes-Schwerpunktpraxen werden auch Ernährungsschulungen durchgeführt. Auch hier können wir vom Deutschen Diabetiker Bund Ihnen eine entsprechende Adresse vermitteln, falls Sie es wünschen.

Gibt es eine Therapie, wenn die diabetische Polyneuropathie mit ihren Symptomen schon aufgetreten ist?

Für die Behandlung der diabetischen Polyneuropathie gibt es ein anerkanntes Medikament. Es handelt sich bei diesem Medikament um eine physiologische Substanz, die antioxidative Eigenschaften besitzt. Dieses Medikament beinhaltet die Substanz "Thioctsäure" (Thioctacid®) bzw. "Alphaliponsäure".

Die Nervenzelle wird durch freie Radikale geschädigt. Die antioxidativen Eigenschaften der Thioctsäure neutralisieren diese freien Radikalen und schützen so die Nervenfasern.

Zuerst Infusion - danach Tabletten.

Um ausreichende Mengen dieser schützenden Substanz schnell an die Nerven zu transportieren, sind Infusionen über drei Wochen notwendig. Es gibt diese Infusionen u.a. als Fertiginfusion, um Ihnen und dem behandelnden Arzt die Medikamention so einfach wie möglich zu machen. In diesem Zeitraum sollte sich bei Ihnen der therapeutische Effekt durch eine Abnahme der Symptome der diabetischen Nervenerkrankung bemerkbar machen, d.h. die Schmerzen, das Kribbeln oder das Pelzigkeitsgefühl nehmen ab.

Erst wenn der Therapieerfolg sich durch die Infusion eingestellt hat, wird Ihnen der Arzt Tabletten zur Langzeiteinnahme verschreiben, damit sich der therapeutische Effekt der Infusionen stabilisiert.

Denken Sie aber bitte immer daran, die Ursache der diabetischen Nervenerkrankung ist und bleibt die schlechte Blutzuckereinstellung. Erste therapeutische Maßnahme muss immer die optimale Blutzuckereinstellung sein. Die Behandlung mit Thioctsäure stellt eine sinnvolle unterstützende Maßnahme dar. Setzen Sie alles daran, dieses Ziel mit uns zu erreichen. Denken Sie auch daran, regelmäßig auf Ihre Füße zu achten.

Leider werden die Kosten für diese Behandlung im Zuge der Gesundheitsreform 2004 seit dem 01.01.2004 nicht mehr von den Krankenkassen übernommen.

 

 

Autor:
Reinhard Stender
Webmaster und Online-Redakteur
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
E-Mail: reinhard.stender@diabetikerbund-hamburg.de

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