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Nierenerkrankung

Diabetische Nierenerkrankung (Nephropathie)

Wie Sie sicher vorbeugen können.

Täglich fließen etwa 1.500 Liter Blut durch die Nieren. Dabei wird das Blut durch Filterung entgiftet und der Wasser- und Mineralstoffhaushalt des Körpers aufrechterhalten. Nach längerer Diabetesdauer tritt bei einem Teil der Typ-1- wie Typ-2-Diabetiker eine Erkrankung der Nieren auf, die es nur bei Diabetikern gibt. Daher der Name "diabetische Nierenerkrankungen" oder "diabetische Nephropathie". Sie führt zum langsamen Funktionsverlust der Nieren bis hin zum Nierenversagen; gleichzeitig zeigt sie an, dass Gefäße schwerwiegend geschädigt sind. Das kann häufig zu Herzinfarkt, Schlaganfall und arterieller Verschlusskrankheit führen.

Darstellung einer Nierenkörperchens

Die wichtigste Aufgabe der Nieren ist die Filtration von kleinmolekularen Stoffen aus dem Blut, deren Ausscheidung für die Gesundheit des Körpers notwendig ist. Diese Stoffe sind überschüssiges Wasser, Salze, Schlacken des Stoffwechsels wie Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure, aber auch Gifte und Rückstände von Medikamenten. Auf der anderen Seite werden Stoffe, die der Körper dringend benötigt, von den Nieren zurückgehalten. Den Filter stellen feine Gefäßknäuel dar - die Nierenkörperchen. Bei der Filtration aus dem Blut werden die kleinmolekularen Stoffe durch die Kapillarwand gepresst. Hier stellt die Basalmembran - ein feines Häutchen, das die Kapillaren umgibt - die eigentliche Filterbarriere dar. Man muss sich diese Basalmembran wie ein Netz mit sehr feinen Maschen vorstellen, das alle kleinen Moleküle wie Wasser, Harnstoff usw. durchlässt. Große Moleküle wie Eiweiße und natürlich auch ganze Blutkörperchen werden nicht durchgelassen.

So entsteht eine Nierenerkrankung
Durch einen langfristig erhöhten Blutzucker werden alle Eiweiße im Körper verstärkt verzuckert - auch jene Eiweiße, die das Maschenwerk der Basalmembran bilden. Hierdurch quillt die Basalmembran auf; die Maschen vergrößern sich, und der Filter wird undicht. Größere Moleküle wie das Albumin - ein Eiweißmolekül - werden filtriert und treten in den Urin über. Gleichzeitig wuchert die Basalmembran und verschließt nach und nach die Kapillaren des Nierenkörperchens. Es kommt zum schleichenden Funktionsverlust der Nieren. Dieser Prozess dauert ca. 10 bis 20 Jahre.

Wie spüre ich eine diabetische Nierenerkrankung?
Die Anfangssymtome sind eher unauffällig: Nachlassen des Allgemeinempfindens, auffälliges Schäumen beim Wasserlassen, Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme), Kopfschmerzen und Schwindel. Schon im Frühstadium der Nierenerkrankung erhöht sich meistens der Blutdruck - langsam, aber kontinuierlich.

Bluthochdruck beschleunigt Nierenerkrankung
Schon im Frühstadium der Nierenerkrankung erhöht sich meistens der Blutdruck: langsam, aber kontinuierlich. Später stellen sich immer mehr Zeichen der manifesten Nierenerkrankung ein (Störungen des Fettstoffwechsels, Ödeme und Blutarmut). Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung sind Risikofaktoren der Arteriosklerose (Verengung von Gefäßen / Arterienverkalkung). Damit sind auch das häufige Auftreten von Herzinfarkten und andere Durchblutungsstörungen bei Diabetikern mit einer Nierenerkrankung erklärt. Der Bluthochdruck beschleunigt den Verlauf der diabetischen Nierenerkrankungen und bekommt im Laufe der Zeit hierfür eine größere Bedeutung als die Blutzuckererhöhung.

Jeder zweite betroffen
Auch bei dauerhaft schlechter Stoffwechsellage trifft die diabetische Nierenerkrankungen etwa nur jeden zweiten. Hierfür sind vermutlich Erbfaktoren verantwortlich. Leider gibt es bisher keine Möglichkeit, in den ersten Jahren des Diabetes festzustellen, ob die Gefahr einer diabetischen Nierenerkrankungen besteht oder nicht.

Die sicherste Maßnahme zur Vorbeugung einer diabetischen Nierenerkrankung ist eine dauerhaft gute Stoffwechseleinstellung.

Da das Albumin als eines der ersten Eiweiße den defekten Kapillarfilter der Nieren passiert, kann man es dann im Urin nachweisen.

Seit etwa zehn Jahren gibt es sehr empfindliche Nachweismethoden für Albumin in Urin: Mirkoalbumin. Sehr kleine Mengen werden auch von Nierengesunden ausgeschieden. Ein Wert von über 20 mg/l Urin gilt als krankhaft.

Das Fortschreiten der diabetischen Nierenerkrankungen kann man an der zunehmenden Albuminausscheidung ablesen. Sie kann bis auf mehrere 1.000 mg/l Urin ansteigen. Die Mikroalbuminausscheidung geht anderen Zeichen der diabetischen Nierenerkrankungen um Jahre voraus. Es ist daher für jeden Diabetiker sehr wichtig, ob seine Albuminausscheidung normal ist oder nicht.

Test zur Früherkennung
Die Untersuchung sollte ein- bis zweimal jährlich (bei Verdacht oder nachgewiesener Erkrankung auch häufiger) bei allen Diabetikern durchgeführt werden. Inzwischen gibt es sogar zuverlässige Teststreifen zum Mikroalbuminnachweiß. Wegen der langsamen Veränderung der Albuminausscheidung ist es nicht sinnvoll, häufiger als vierteljährlich zu messen.

Was man tun kann
Eine diabetische Nierenerkrankung beginnt bei einer Mikroalbuminausscheidung von 20 bis 200 mg/l Urin. Wird bei einem Diabetiker eine erhöhte Mikroalbuminausscheidung festgestellt, muss dies zuerst durch eine Kontrolluntersuchung im ersten Morgenurin bestätigt werden. Ein Harnwegsinfekt oder ein anderer fieberhafter Infekt sollte ausgeschlossen sein. Zeigt auch die Nüchternurinprobe eine Mikroalbumin-Wert von mehr als 20 mg/l Urin, muss man annehmen, dass eine diabetische Nierenerkrankungen beginnt. Jetzt ist eine konsequente Therapie lebensentscheidend.

Optimale Stoffwechseleinstellung
Der Stoffwechsel wird bei einem Typ-1-Diabetiker optimal mit einer "Intensivierten Insulintherapie" (ICT) oder Insulinpumpentherapie (CSII) eingestellt, bei einem Typ-2-Diabetiker möglichst mit Insulin (beispielsweise mit einer "Konventionellen Insulintherapie" (CT)). Es ist bewiesen, dass eine beginnende diabetische Nierenerkrankungen allein mit einer guten Stoffwechseleinstellung zum Stillstand kommen kann.

Optimale Blutdruckeinstellung
Haben Diabetiker vor Beginn der diabetischen Nierenerkrankungen einen normalen Blutdruck, so steigt dieser mit Beginn der Erkrankung zunächst kaum merkbar , aber kontinuierlich an (bei Menschen mit Typ-2-Diabetes besteht oft schon vorher ein Bluthochdruck). Bereits in dieser Phase ist eine Blutdrucksenkung bei jungen Menschen auf Werte unter 130/85 mmHg, bei älteren auf unter 150/90 mmHg erforderlich.

Als besonders wirksame Medikamente haben sich ACE-Hemmer erwiesen. Es kann allein durch eine gute Blutdrucksenkung zu einem Abfall des Mikroalbumins kommen.

Eiweißreduziertes Essen: am besten vegetarisch
Es ist bewiesen, dass eine eiweißreduzierte Kost bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung positiv wirkt. Wir empfehlen aber, schon bei der beginnenden diabetischen Nierenerkrankungen, die tägliche Eiweißaufnahme auf möglichst unter 0,8 g/kg Körpergewicht zu reduzieren. Dies sind etwa 50 bis 60 g Eiweiß. Mit einer überwiegend vegetarischen Kost kann man dieses Ziel am ehesten erreichen. Fleisch- und Milchprodukte sind keineswegs verboten, sollten aber nicht regelmäßig gegessen werden. Sinnvoll ist es, die tägliche Eiweißaufnahme ab und zu anhand von Nahrungsmitteltabellen zu überprüfen.

Rauchen verdoppelt das Risiko
Für Diabetiker erhöht Rauchen neben dem allgemein bekannten Arterioskleroserisiko die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer diabetischen Nierenerkrankungen auf das Doppelte (!!!). Ebenso beschleunigt es vermutlich auch deren Fortschreiten.

Mit den erwähnten Therapiemaßnahmen gelingt es fast immer, die Mikroalbuminausscheidung zu reduzieren. Dies kann aber Jahre dauern.

Wichtig ist bei Diabetikern mit einer diabetischen Nierenerkrankungen die jährliche Kontrolle von Belastungs-EKG und Doppler-Sonographie der Gefäße zur Diagnostik der Arteriosklerose.

Fortgeschrittene Erkrankung
Wenn die Mikroalbuminausscheidung über 200 mg/l Urin liegt, ist die diabetische Nierenerkrankung fortgeschritten; sie ist wahrscheinlich nicht mehr rückbildungsfähig.

Durch eine konsequente Therapie besonders des oft stark angestiegenen Blutdrucks kann das Fortschreiten der Erkrankung erheblich verlangsamt werden, wenn sie nicht gar zum Stillstand kommt.

Dies gilt auch dann, wenn bereits die Nierenfunktion eingeschränkt ist. Die Therapieprinzipien sind die gleichen wie bei der beginnenden diabetischen Nierenerkrankungen. Die Eiweißaufnahme sollte möglichst auf 40g Eiweiß pro Tag eingeschränkt werden. Störungen des Fettstoffwechsels (LDL-Cholesterin und Triglyzeride erhöht) sollten wegen des zusätzlichen Arterioskleroserisikos konsequent medikamentös behandelt werden.

Störungen des Wasserhaushaltes (Ödeme), des Salzhaushaltes (Kalium, Kalzium, Phosphat) und der Blutbildung erfordern spezielle Therapien.

Nierenersatzbehandlung: drei Möglichkeiten
Ein Nierenversagen kündigt sich häufig durch allgemeine Überwässerung an. Von da an ist eine Nierenersatzbehandlung lebenslang erforderlich. Hierfür gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Die Hämodialyse, bei der der Patient dreimal wöchentlich für drei bis fünf Stunden zur Blutwäsche an eine Maschine angeschlossen wird. Diese Behandlung findet meistens in einem Dialysezentrum in Wohnortnähe statt. In vielen Urlaubsländern sind auch Feriendialysen möglich.
  2. Die CAPD (kontinuierliche ambulante Peritoneal-Dialyse) findet auch in Deutschland zunehmend Verbreitung. Diese Behandlung führt der Patient täglich mehrfach selbst zu Hause durch: Über einen Katheter wird Flüssigkeit steril in den Bauchraum eingefüllt und dort für einige Stunden belassen. Durch das Bauchfell findet wie in der Niere eine Filtration statt, und die Flüssigkeit wird nach einigen Stunden als Urin über den Katheter wieder abgelassen und neue Flüssigkeit eingefüllt. Diese Methode ist besonders für Diabetiker geeignet.
  3. Die Nierentransplantation: Sie ist nicht nur die kostengünstigste, sondern auch die für den Patienten beste Nierenersatzbehandlung. Leider sind dafür längst nicht genügend Spendernieren verfügbar, so dass Dialysepatienten meist mehrere Jahre auf eine Transplantation warten müssen, in der sie auf die Hämodialyse oder CAPD angewiesen sind.

Wenn Diabetiker in Deutschland konsequent geschult und behandelt würden, könnten wir verhindern, dass 50% der Menschen, die neu in die Dialyse kommen, Diabetiker sind. Bis aber bei uns jeder Diabetiker geschult und angemessen ambulant betreut wird, ist noch ein weiter Weg.

Wie Sie sicher vorbeugen können
Rechtzeitig vorbeugen ist immer die beste Methode. Dabei sind folgende Maßnahmen sinnvoll:

  • den Blutzuckerspiegel dauerhaft gut einstellen
  • den Blutdruck auf Werte von unter 130/85 mmHg (bei jungen Menschen)
    bzw. auf unter 150/90 mmHg (bei älteren Menschen) senken
  • die tägliche Eiweißzufuhr auf möglichst unter 0,8 g/kg Körpergewicht pro Tag senken
  • das Rauchen einstellen
  • alle 3 bis 6 Monate, mindestens jedoch einmal im Jahr, den Urin auf Albumin untersuchen lassen

 

 

Autor:
Reinhard Stender
Webmaster und Online-Redakteur
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
E-Mail: reinhard.stender@diabetikerbund-hamburg.de

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