Zur Navigation springen | Zum Inhalt springen | Zur Zweitnavigation springen | Zur Suche springen
Zweitnavigation

Zoom:

Schriftfarbe ändern:

invertieren
|
zurücksetzen
zurück zur Rubrik
Informationen » Medizinische Versorgung »
Sie befinden sich in der Rubrik
Netzwerk Diabetischer Fuß in Hamburg 2001

Netzwerk Diabetischer Fuß in Hamburg 2001

Rede von Gert Henning, 1. Vorsitzender des Deutschen Diabetiker Bund Landesverbandes Hamburg (DDB), anlässlich der 1. Interdisziplinären Jahrestagung des "Netzwerkes Diabetischer Fuß" am 07.02.2001 im Hotel Hafen Hamburg.

Sehr geehrte Frau Senatorin, meine Damen und Herren,

Wie man hoffentlich sehen kann, bin ich nicht Frau Burmeister, welche diesen kleinen Vortrag hier halten sollte und in der Einladung angekündigt war.

Ich möchte mich Ihnen hiermit vorstellen:
Mein Name ist Gert Henning, ich bin der Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg des DDB und ich freue mich über die Einladung und das ich hier ein paar Worte über den "Diabetischen Fuß" bzw. über das "Netzwerk Diabetischer Fuß" aus der Sicht der Betroffenen sagen darf.

Lassen Sie mich mit einer kleinen Geschichte beginnen, wie sie uns des Öfteren im DDB zu Ohren kommt:

Nehmen wir eine ältere, etwas korpulentere Dame, welche sich nicht recht wohl fühlt. Sie muss häufig trinken, ist müde und irgend etwas stimmt mit ihr nicht. Sie sucht ihren Hausarzt auf .... dieser untersucht sie und zwei Wochen später erfährt sie die Diagnose: Diabetes !

Sie soll jetzt Tabletten nehmen.... morgens zwei davon und abends eine davon .... und sie soll eine "Diät machen", das sei überhaupt das Wichtigste. Eine weitere Untersuchung findet nicht statt! Auch keine Untersuchung der Füße weil

  • Diese Leistung überhaupt nicht vorgesehen ist und somit von der Kasse nicht bezahlt wird und
  • Der Arzt vom Diabetes höchstwahrscheinlich bei seinem Studium das letzte mal etwas gehört hat!

Die Patientin erleidet irgendwann eine kleine Verletzung an der Fußsohle und durch ihre eingeschränkte Beweglichkeit und weil sie von niemanden auf die Problematik, auch von Bagatelleverletzungen, an den Füßen hingewiesen wurde, untersucht sie Ihre Füße nicht.

Sie nimmt die Verletzung auch nicht ernst als sie entdeckt wird. Sie besorgt sich Salbe und nach Wochen berichtet sie ihrem Hausarzt davon. Dieser versucht nun seinerseits mit Salben dem Übel auf den Grund zu gehen. Es vergeht wertvolle Zeit bis die Patientin zum Hautarzt geschickt wird.

Sie ahnen es schon.... auch jetzt wird neu versucht mit Salben und ähnlichen Mitteln zu heilen und weitere Zeit vergeht.

Am Ende ist die Wunde so schlimm, das eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgt.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Nehmen wir erst einmal die schlechtere:

  • Die Diagnose war klar, durch die weit fortgeschrittene Verletzung bringt eine konventionelle Therapie kein Erfolg. Nach geraumer Zeit erklärt der Arzt der Patientin das man den Fuß / Unterschenkel amputieren müsse!!!

    Sollte nun die Patientin nicht sofort begeistert zustimmen......und erklären sie möchte erst eine zweite Meinung einholen ob den die Amputation wirklich notwendig sei......wird ihr bedeutet, das schließlich Spezialisten die Diagnose erstellt hätten und andere zu eben diesem Ergebnis kommen würden. Beharrt sie auf einer weiteren Begutachtung ( was bei älteren Menschen ja nicht gerade die Regel ist !!! ) legt man ihr, mit dem Hinweis auf das fehlende Vertrauen, nahe eine andere Klinik aufzusuchen.

    Meine Damen und Herren, ich überzeichne nicht, dies ist so oder ähnlich schon öfters passiert.

    Nun resigniert die Patientin und die Amputation wird durchgeführt.

Warum erzähle ich dies alles? Um als vom Diabetes betroffener aufzurütteln und weil es auch anders geht:

Hier die bessere Variante:

  • Die Patientin kommt in eine Klinik wo das Ärzteteam interdisziplinär arbeitet ! Dort begutachten Chirurgen, Diabetologen, Gefäßspezialisten, Internisten Orthopäden und am Ende auch noch der orthopädische Schuhmacher gemeinsam die Patientin und erstellen einen Therapieplan.

Danach können eine erhebliche Zahl von Patienten durch eine andere Therapie um eine Amputation herum kommen.

Wie mir berichtet wurde konnte die Zahl der Amputationen, in speziellen Fußkliniken, um die Hälfte gesenkt werden !!!

Es gibt also die Möglichkeit Amputationen in einem erheblichen Umfang zu reduzieren und damit erhebliches Leid unter den Betroffenen zu verhindern! Warum wird davon nicht reger Gebrauch gemacht?

Wieso ist eine diabetische Fußpflege bei Menschen mit einer Polyneuropathie nicht automatisch eine Leistung, die von den Krankenkassen getragen wird ?

Um das liebe Geld kann es ja wohl nicht gehen, denn hier ist Vorsorge doch wesentlich kostengünstiger als eine spätere Amputation mit allen Folgekosten ?!

1989 gab es die sogenannte "St.-Vincent-Deklaration" welche auch von der Deutschen Gesundheitsministerin unterschrieben wurde.

Ziel war unter Anderem: Innerhalb von 5 Jahren zu erreichen, dass die Amputationen um die Hälfte verringert werden.

Wir sind in Deutschland weit davon entfernt! Es gibt hier jährlich noch etwa 28.000 tausend Amputationen und somit nimmt Deutschland unter den reichen Industriestaaten leider nur einen Mittelfeldplatz ein.

Dies reicht uns wahrlich nicht zur Ehre !

Auch eine Amputation verursacht Kosten, ich habe mir sagen lassen, so um die DM 100.000,--, ohne anschließende Rehabilitationskosten.

Aber vielleicht wird ja folgende Kostenaufstellung gemacht:

Amputation + Rehabilitationskosten + kürzere Lebenserwartung des Amputierten Diabetikers ergibt noch immer eine erhebliche Kostenminderung gegenüber einem Diabetiker, welcher eine langwierige Behandlung durch Spezialisten erfährt und diese evtl. später noch mehrmals in Anspruch nehmen muss.

Dies ist zynisch gedacht und wenn es so sein sollte, hat man dabei das Leid des Betroffenen total außer Acht gelassen.

Frau Senatorin, meine Damen und Herren, wie man erkennen kann ist es eminent wichtig, das hier ein Umdenken beginnen muss.

Ein erster Weg ist durch das "Netzwerk Diabetischer Fuß" gemacht.

Ich wünsche mir, das sie alle aus dieser Tagung die Überzeugung mit nach Hause nehmen, das der Weg der interdisziplinären Behandlung beim diabetischen Fußsyndrom der richtige ist. Setzen sie sich dafür bei ihren Kollegen ein, so wie wir vom DDB uns für das von der "Hamburger Gesellschaft für Diabetes" ins Leben gerufene Netzwerk Diabetischer Fuß einsetzen werden, und es mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln jederzeit unterstützen, um letztendlich den Betroffenen viel Leid zu ersparen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Kontakt:
Netzwerk Diabetischer Fuß Hamburg
c/o Krankenhaus Bethanien
Martinistraße 44 – 46
20251 Hamburg
Tel: 040 / 40 46 68-100
Fax: 040/ 40 46 68-339
E-Mail: Diabetes.Stoffwechsel@kh-bethanien-hh.de,
Internet: www.NetzwerkDiabetischerFussHamburg.de.

 

Autor:
Gert Henning
ehem. 1. Vorsitzender
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
webmaster@diabetikerbund-hamburg.de

Zeiger nach obennach oben