Ernährung bei Diabetes mellitus
Ernährungshinweise für Diabetiker
Mit dieser Kurzinformation wollen wir Ihnen als neu entdecktem Diabetiker eine erste Hilfestellung geben. Eine ausführliche Ernährungsberatung ersetzt dieser Text nicht.
Kurzüberblick:
- Diagnose Diabetes - Was kann ich jetzt noch essen?
- Was gehört zu einer vollwertigen Ernährung?
- Body-Mass-Index (BMI)
- Light-Produkte und spezielle Diabetiker-Produkte
- Liberalisierung bei ICT
Diagnose Diabetes - Was kann ich jetzt noch essen?
Bei der Behandlung des Diabetes spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Jedoch ist die Diagnose Diabetes nicht gleichbedeutend mit dem Verzicht auf alles, was schmackhaft ist. Wenn man sich vor Augen führt, daß auch Stoffwechselgesunde viel "Schmackhaftes" zu sich nehmen, was der Gesundheit zuträglich ist, kommt man zu dem Schluß:
Diabetikerernährung ist eine dem persönlichen Bedarf angepaßte abwechslungsreiche, vollwertige Kost, die nicht zum Übergewicht führt, gut schmeckt und mit Genuß verzehrt werden kann.
Ziele sind:
- Verbesserung des Gesundheitszustandes und Wohlbefinden
- normale Blutzuckerwerte (nüchtern 60 - 100 mg/dl bzw. 5 - 6 mmol/l)
- normale HbA1c-Werte
- normales Körpergewicht (Faustregel: Körperlänge -100 = Gewicht in kg)
- normale Blutdruckwerte
- normale Blutfettwerte
- Vermeidung von Folgeerkrankungen
Was gehört zu einer vollwertigen Ernährung?
Als vollwertige Ernährung bezeichnet man eine Kostform, die alle für Gesundheit und Leistungsfähigkeit notwendigen Nährstoffe in ausnutzbarer Form und richtiger Menge enthält.
Es gibt drei Hauptnährstoffe:
- Eiweiß
- Fett
- Kohlenhydrate
Fett ist der energiereichste Nährstoff (1 g = 9,3 Kcal). Sehr fettreiche Produkte sollten gegen fettarme Produkte ausgetauscht und reduziert werden (z.B. Streichfett). Tierische Fette enthalten in der Regel eine ungünstige Zusammensetzung an Fettsäuren. Günstiger sind pflanzliche Fette, z.B. hochwertige Margarinesorten und Öle, die einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten.
Die gesunde Ernährung sollte aus einer ausgewogenen Mischung von pflanzlichem und tierischem Eiweiß bestehen (1 g Eiweiß = 4,1 Kcal). Empfohlen wird, täglich nicht mehr als 0,7 bis 0,9 g pro Kg Körpergewicht mit der Nahrung aufzunehmen. Ein Zuviel an Eiweiß bedeutet eine Mehrbelastung der Nieren, so daß bei beginnender Nierenerkrankung die tägliche Zufuhr reduziert werden sollte. Ihr Arzt wird Sie hierüber genau aufklären.
Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel (1 g KH = 4,1 Kcal) wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Reis, Getreideprodukte, gehören ebenso wie Milch und Milchprodukte auf den Speiseplan. Besonders geeignet sind Vollkornprodukte, die nicht verwertbare Kohlenhydrate (Ballaststoffe) enthalten, dadurch die Darmtätigkeit anregen und einen günstigen Blutzuckerverlauf bewirken (z.B. enthalten in Vollkornbrot, Naturreis, Vollkornnudeln). Empfehlenswert ist ein Anteil von 50 - 60 % Kohlenhydraten an der Gesamtenergiemenge (Kalorienmenge).
Die meisten Gemüsesorten brauchen wegen ihres geringen Kohlenhydrat-Anteils nicht angerechnet werden und können mehrmals am Tag verzehrt werden (Normalportionen = ca. 200 g).
Süßungsmittel: Saccharose = Haushaltszucker bewirkt einen schnellen Blutzuckeranstieg und ist deshalb in der Diabetesernährung ungeeignet. Günstiger ist die Aufnahme von Fruchtzucker (Fruktose), weil der Blutzucker nach dem Verzehr langsamer ansteigt als beim Haushaltszucker. Aber: beide Zuckerarten haben viele Kalorien und müssen im Ernährungsplan berücksichtigt werden. Süßstoffe sind kalorienfrei und eignen sich daher besonders, wenn aufgrund von zu hohen Körpergewicht auf die Kalorienzahl geachtet werden muß. In der Diabetikerschulung lernen Sie, was für Sie persönlich sinnvoll ist und was nicht.
Kohlenhydrathaltige Mahlzeiten benötigen Insulin. Kohlenhydrate und Insulinmenge müssen aufeinander abgestimmt sein. Zur praktischen Orientierung der Austauschbarkeit von Lebensmittelportionen, die 10 bis 12 g verwertbare Kohlenhydrate enthalten, gibt es sogenannte Austauscheinheiten (KHE, KE oder BE). Die hierfür benötigten Austauschtabellen sind im Buchhandel und während der Diabetes-Schulung zu bekommen. Wer seine individuelle Insulinmenge pro KHE, KE oder BE kennt, kann seine Kost variabler gestalten.
Merke:
Kohlenhydrate sind wichtig in der Diabetesernährung. Sie bewirken einen Anstieg der Blutzuckerwerte. Austauschtabellen helfen dem Diabetiker bei der Auswahl von kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln.
Alkohol hat einen hohen Energiewert (1 g = 7,1 Kcal). Er kann sich nachhaltig auf die Blutzuckerregulation auswirken und erhebliche Unterzuckungen auslösen. Wenn aus medizinischen Gründen vom Alkoholgenuß nicht grundsätzlich abgeraten wird, Alkohol nur in kleinen Mengen konsumieren. Hochprozentiges sowie Liköre sind generell ungeeignet. Befragen Sie Ihren Arzt, ob Sie z.B. ein Glas Weinschorle (mit trockenem Wein) zum Abendessen trinken dürfen.
Um einen günstigen Blutzuckerverlauf zu bewirken, ist zu empfehlen, über den Tag verteilt 5 - 6 kleinere Mahlzeiten zu verzehren.
Jeder Diabetiker mit Übergewicht sollte als erste wichtige Behandlungsmaßnahme eine Gewichtsnormalisierung anstreben durch Verminderung der Energieaufnahme, das heißt weniger Kalorien, und Steigerung der körperlichen Aktivität. Bereits Gewichtsverlust von wenigen Kilogramm kann zu einer Normalisierung des Blutzuckerspiegels führen. Und mehr noch: das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird gesenkt. Geringeres Gewicht bedeutet allgemein eine Entlastung des gesamten Organismus.
Oft werden wir gebeten, individuelle Ernährungspläne zu erstellen, gerade auch bei Reduktionskost. Dies ist allerdings nicht möglich, da wir nicht den Arzt, Ernährungs- und Diabetesberater ersetzen wollen und können. (P.S.: Für den Großbereich Hamburg können Sie Beratungstermine über unsere Geschäftsstelle vereinbaren.)
Body-Mass-Index (BMI)
Dieses wohlklingende Wort bedeutet nicht nur mehr als "Körpermassenindex". Die bisher viel praktizierte Berechnung des Idealgewichtes wird abgelöst durch eine andere Berechnung. Mit einer kleinen Formel kann jeder seinen BMI ermitteln:
Körpergewicht in Kilogramm
BMI = -----------------------------------
(Körperlänge in Meter)2
Wenn Sie also 70 Kg wiegen und 1,73 m groß sind, ergibt sich ein BMI von 70 / (1,73)2 = 23,39.
Erläuterung der Body-Mass-Index-Werte:
| BMI-Wert: | Erläuterung: |
|---|---|
| < 18,5 |
untergewichtig |
| 18,5 bis 25 | normal |
| 25 bis 30 | übergewichtig |
| 30 bis 40 | adipös |
| > 40 | sehr adipös |
Light-Produkte und spezielle Diabetiker-Produkte
Prüfen Sie beim Einkauf von Lebensmitteln die Etiketten, auf denen die Inhaltsstoffe angegeben sind. Achten Sie insbesondere auf die Mengenangaben der Kohlenhydrate, den Kalorien und Fettanteil. Angaben wie "Gut für Diabetiker" oder "Geeignet für Diabetiker" oder einfach der Hinweis "Light" allein genügen nicht, um ein gutes Produkt für Diabetiker auszuweisen.
Liberalisierung bei ICT
Diabetiker, die eine moderne Insulintherapie konsequent durchführen (ICT = intensivierte Insulintherapie - Basis Bolus Konzept) können auch Lebensmittel mit Haushaltszucker essen. Besonders günstig sind (von Standpunkt der Blutzuckersteigerung betrachtet) Lebensmittel, die neben Haushaltszucker auch Fett, Eiweiß oder Ballaststoffe enthalten oder damit kombiniert sind. Diese verlangsamen die Blutzuckersteigerung. Reiner Zucker, Honig oder gezuckerte Getränke sollten weiterhin gemieden werden. Begrenzender Faktor der Liberalität ist die Gewichts- und HbA1c-Entwicklung. Aber vor der Liberalisierung steht die Diabetiker-Schulung.
Autor:
Reinhard Stender
Webmaster und Online-Redakteur
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
E-Mail:
reinhard.stender@diabetikerbund-hamburg.de






