Insulinarten
Wir geben hier einen kurzen Überblick über die in Deutschland verfügbaren Insuline.
Jede der Firmen, die in Deutschland Insulin vertreiben, hat ihre eigene Produktpalette, innerhalb derer es viele Gemeinsamkeiten gibt, so das oftmals vom Patienten das Insulin eines anderen Herstellers genutzt werden kann, ohne das deswegen eine Therapieänderung erfolgen muß. Aus diesem Grund sind, wenn die Insuline - vereinfacht gesagt - nahezu identisch sind, die "Zubehörteile", das "Drumherum" um die Insuline, entscheidend für die freie Wahl eines Präparates. Dies ist den meisten pharmazeutischen Unternehmen bekannt, die deshalb mit großer Intensität die Entwicklung von Insulin-Pens und anderen Spritzhilfen vorantreiben. Der Insulinmarkt ist dennoch unübersichtlich. Um hier etwas Licht und Struktur in die Dunkelheit zu bringen, kann ein kurzer Katalog von Kriterien helfen, die verschiedenen Insuline zu charakterisieren:
Die Unterscheidungskriterien für Insulinpräparate sind
- Wirkdauer,
- Konzentration des Insulins,
- Abfüllungsart
- Herkunft.
Hinsichtlich der Wirkdauer von Insulinen wird grundsätzlich zwischen schnell und verzögert wirksamen Insulinen unterschieden.
Die Wirkdauer
Wer die Wirkdauer exakt in Stunden angegeben haben möchte, muß enttäuscht werden, weil es hier auch innerhalb der gleichen Insulinsorte Schwankungen geben kann. So gilt prinzipiell für alle Insuline, dass größere Mengen auch länger wirksam sind.
Vereinfacht kann man davon ausgehen, das kurzwirksamen Normalinsuline eine Wirkdauer von etwa 4 bis 6 Stunden haben. Eine Ausnahme bilden die - aufgrund ihrer gentechnologischen Veränderung - schnellwirksamen Analoga, die nur rund 3 Stunden wirken. Als Verzögerungsstoff ist bei den meisten Insulinen NPH (Neutrales Protamin Hagedorn) im Einsatz. Durch Zugabe dieser Substanz zum Normalinsulin kann dessen Wirkdauer näherungsweise verdoppelt werden, so das sie dann 8 bis 12 Stunden, in höheren Dosierungen (etwa ab 20 Einheiten) auch länger betragen kann.
Zu den Verzögerungsinsulinen (Intermediärinsuline) gehören auch die Mischinsuline, gemischt aus Normalinsulin und reinem Verzögerungsinsulin. Da Mischinsuline immer auch einen Anteil eines Verzögerungsinsulins enthalten, wirken sie insgesamt länger als Normalinsuline.
Einzelne, durch Zusatz von Zink verzögerte Insuline wirken bis zu 24 Stunden. Diese lange Wirkdauer hat aber ihren Preis. Sie werden aus dem Unterhautfettgewebe sehr unregelmäßig aufgenommen.
Die Konzentration
Die Konzentration des Insulins ist ein anderes Unterscheidungsmerkmal: In Deutschland sind Insuline in den Konzentrationen U 40 und U 100 am Markt. Dies bedeutet eine Menge entweder 40 oder aber 100 Einheiten Insulin auf einen Milliliter Flüssigkeit. U-40-Insuline gibt es nur in Flaschen. Die Insuline für Pens sind immer U-100-Insuline und der Pens entsprechend geeicht.
Zu beachten ist die Verwendung der richtigen Spritze: für U-40-Insulin die U-40-Spritze, für U-100-Insulin die U-100-Spritze, dann braucht das Insulin nur noch aufgezogen und nicht weiter zu diesem Thema beachtet zu werden.
Die Abfüllung
Die Abfüllung ist relevant für die Frage, ob der Anwender einen Pen, eine Spritze oder eine Insulinpumpe benutzt. Insulin für Spritzen ist in Flaschen (die aufgrund ihrer geringen Größe auch gern als Fläschchen bezeichnet werden) abgefüllt. Pen-Insuline werden in eigens hierfür hergestellten Pen-Kartuschen geliefert. Einige Patienten benutzen einen schon fertig mit Insulin "betankten" Pen; und last but not least werden Pumpeninsuline zum Teil in Kartuschen, die direkt in die Insulinpumpe eingelegt werden können, verkauft.
Die Herkunft
Das vierte Unterscheidungskriterium ist die Herkunft des Insulins. Vor 1983 waren ausschließlich Rinder- und Schweineinsuline für Diabetiker verfügbar, danach auch Humaninsuline. Die von Rindern oder Schweinen gewonnenen Insuline wurden auf dem Insulinmarkt nach 1983 schnell zurückgedrängt.
Rinder- und Schweineinsulin wirken im Blut genauso wie menschliches Insulin, wenn sie auch nicht die gleiche molekulare Struktur wie Humaninsulin haben. Eine im Vergleich zum menschlichen Insulin abgewandelte Molekularstruktur haben auch die gentechnologisch veränderten Analoginsuline. Eine Substanz ist bereits in Deutschland zugelassen, weitere werden folgen. Das Ziel beim Einsatz analoger Insuline liegt immer darin, die natürliche Insulinsekretion des menschlichen Körpers besser nachzuahmen, sei es als schnell oder auch als verzögert wirksames Insulin.
So kann im nachhinein auch ein interessanter Wechsel in der Gewichtung eines Begriffes beobachtet werden: "Natürlich" hieß vor 15 Jahren, menschliches Insulin einzusetzen, heute beginnt dieser Begriff zunehmend auf die Wirkdauer angewendet zu werden.
Die Verbreitung der Insuline in Deutschland
Im Sommer 1997 machte das gentechnologisch veränderte analoge Insulin bereits ein Achtel der Umsätze am Markt schnellwirksamer Insuline aus. Dennoch ist Humaninsulin noch immer die bei weitem verbreitetste Substanz mit über 95% Markanteil.
Pens reflektieren Anwenderkomfort - sichtbar daran, dass rund drei Viertel aller Insuline für nachladbare oder in fertig abgefüllten Pens abgegeben werden.
Eine detaillierte Übersicht über alle in Deutschland verfügbaren Insuline soll an dieser Stelle nicht erfolgen, da in der Arzneimittelliste hierzu 90 verschiedene Darreichungsformen aufgeführt sind. Mit den Kriterien Wirkdauer, Konzentration, Abfüllungsart und Herkunft lassen sich alle Präparate charakterisieren und damit eine Insulintherapie für jeden individuellen Bedarf erstellen.
Die Dosierung : Internationale Einheiten
Die internationale Einheit oder Unit (IE oder U) ist ein Maß für die biologische Insulinwirkung. Dieses Wirkungsmaß ist nicht abhängig von der Spezies des Insulins, d.h., eine IE gleich welchen Insulins hat immer die gleiche Wirkstärke.
Autoren:
Dr. med. Andreas Klinge
und
Dr. med. Matthias Pein
Fachärzte für Inne Medizin und Diabetologen DDG
E-Mail:
webmaster@diabetikerbund-hamburg.de






