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Diabetes und Schwerbehinderung

Unterzuckerung - erste Anzeichen und erste Hilfe

Wenn der Blutzuckerspiegel sinkt....

Kurzüberblick:

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) kann fast jeden Diabetiker treffen. Dabei spielt es keine rolle ob er mit Insulin behandelt wird oder blutzuckersenkende Tabletten (Sulfonyharnstoff) erhält. Daher sollte jeder Diabetiker die Ursachen und Anzeichen kennen, damit er gezielt reagieren kann und so schwere Hypoglykämien verhindern kann.

Ab wann spricht man von einer Hypoglykämie?

Jeder Blutzuckerwert unter 50 mg/dl oder 2,7 mmol/l (auch ohne Symptome) wird als Unterzuckerung bezeichnet, die in jedem Fall behandelt werden muss. Jedoch können die typischen Warnsymptome schon bei einem Wert von 80 mg/dl oder höher auftreten, wenn der Blutzucker steil abfällt.

Ursachen

  • zuviel Insulin gespritzt
  • zu starke Tablettenwirkung
  • zu wenig oder zu spät Kohlenhydrate gegessen
  • vergessene Zwischenmahlzeit
  • zuviel ungewohnte Bewegung
  • übermäßiger Alkoholkonsum (Alkohol kann noch nach 12 Stunden zu sehr niedrigen Blutzuckerwerten führen)
  • Medikamenteneinnahme (Beta-Blocker, Aspirin, ASS)
  • mit zu niedrigem BZ-Wert ins Bett gegangen
  • Erbrechen oder Durchfall

Symptome
Man unterscheidet dabei eine leichte und eine schwere Unterzuckerung. Die Anzeichen einer leichten Hypo werden durch die Hormone der Gegenregulation und durch Zuckermangel im Gehirn hervorgerufen, wogegen die Symptome einer schweren Unterzuckerung nur auf Zuckermangel im Gehirn zurückzuführen sind.

Leider verändern sich die Anzeichen im Laufe eines Lebens, so dass es wichtig ist, immer wieder in seinen Körper "hineinzuhören", um seine persönlichen aktuellen Hypo-Warnzeichen zu entdecken.

Phase 1: Symptome bei hormoneller Gegenregulation
(auch autonome, adrenerge Symptome genannt)
überwiegend bedingt durch das Stresshormon Adrenalin

  • Blässe im Gesicht
  • weite Pupillen
  • Schweißausbruch
  • Zittrigkeit
  • Herzklopfen / schneller Puls
  • Unruhe
  • Angst und Druckgefühl
  • plötzlicher Heißhunger

Phase 2: Symptome durch beginnenden Zuckermangel im Gehirn
(auch neurogene, neuroglykopenische Symptome genannt)

  • Kribbeln in den Lippen
  • Kopfschmerzen
  • Nervosität
  • Konzentrationsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindelzustände
  • Bewusstseinsstörung
  • Schläfrigkeit
  • Herzrasen, Muskelschwäche, weiche Knie
  • Verwirrtheit, komische Gedanken
  • Wesensänderungen (Aggressivität, Albernheit)
  • beginnende Sprachstörungen
  • Störungen im Bewegungsablauf
  • Sehstörungen (Doppelbilder, Augenflimmern)

Phase 3: Symptome durch fortgeschrittenen Zuckermangel im Gehirn
(auch neurogene, neuroglykopenische Symptome genannt)
Der Patient ist nun auf fremde Hilfe angewiesen!

  • fortgeschrittene Sprach- und Sehstörungen
  • Orientierungslosigkeit
  • Lähmungserscheinungen
  • Krampfanfall
  • Bewusstlosigkeit

Hypo ist nicht gleich Hypo
Bei einer leichten Unterzuckerung überwiegen in der Regel die Symptome der hormonellen Gegenregulation. So ist man oft noch in der Lage klar zu denken, und kann etwas gegen die Hypo tun. Eine mittelschwere Unterzuckerung zeichnet sich durch den Verlust der vernünftigen Handlungsfähigkeit aus. Man wirkt auf sein Umfeld völlig unauffällig, ist jedoch geistig abwesend. Hier ist ein Handeln sehr wichtig, um den gefährlichen Zustand der Verwirrtheit zu vermeiden! Von der schweren Hypoglykämie redet man bei einer Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit. In diesem Zustand ist man vollkommen auf Hilfe anderer angewiesen.

Wie reagiere ich sinnvoll auf eine Hypoglykämie?

Eine beginnende Hypoglykämie muss immer - unabhängig von der Ursache - sofort durch Einnahme von 10 - 20 Gramm rasch verwertbaren Kohlenhydraten bekämpft werden (entspricht 1 KHE). Die Zuckereinnahme ist so lange zu wiederholen, bis sich der Blutzuckerwert normalisiert hat. Also immer im Wechsel essen, messen, essen... Im Anschluss einer "Hypo" sind immer zusätzlich 1 - 2 KHE länger blutzuckerbildender Nahrungsmittel einzunehmen (z.B. 50 g Vollkornbrot), um ein erneutes "Abrutschen" zu vermeiden.

Tipp: Nehmen Sie lieber einen höheren Blutzuckerwert durch fälschlich erkannte Hypos in Kauf, als eine schwere Unterzuckerung zu riskieren! Und tragen Sie Traubenzucker IMMER bei sich!

Eine "schnelle" KHE wäre z.B.:

  • 1 Beutel Carrero Flüssigzucker
  • 2 Täfelchen Florian Müller Traubenzucker
  • 2 1/2 Täfelchen Dextroenergen Traubenzucker
  • 100 ml Cola (keine Cola light!)
  • 100 ml zuckerhaltige Limo (z.B. Fanta)
  • 100 ml Saft

Ungeeignet zur Regulierung einer Unterzuckerung sind:

  • Diät- oder Lightgetränke
  • Diätsüßigkeiten
  • fetthaltige Speisen wie z.B. Schokolade (!) oder Milch, denn das Fett verzögert die Aufnahme des Zuckers in die Blutbahn.

Bewusstlos - und dann?

Bei schweren Hypoglykämien ist man auf fremde Hilfe angewiesen. Daher ist es für Sie von großer Bedeutung, dass auch Ihr tägliches Umfeld darüber informiert wird, was im Fall eines Falles zu tun ist. Scheuen Sie sich nicht davor, denn es könnte Ihr Leben retten!

  • Bringen Sie den Bewusstlosen in die stabile Seitenlage, da Erstickungsgefahr besteht (ggf. den Kopf noch zur Seite halten).
  • Entfernen Sie nicht festsitzende Zahnprothesen und evtl. Speisereste. Verabreichen Sie keine Flüssigkeit mehr.
  • Glucagon in den Oberarm, Oberschenkel oder Gesäß spritzen.
  • Wichtig! Nach dem Aufwachen aus der Unterzuckerung sofort 2 - 4 "schnelle" KHEs zu sich nehmen, damit die Lebervorräte wieder aufgefüllt werden können. Geschieht dieses nicht, besteht die Gefahr einer erneuten Hypo.
  • Sollte der Betroffene Diabetiker innerhalb von 10 Minuten nach Gabe von Glucagon nicht reagieren, rufen Sie sofort den Notarzt.

Glucagon

(z.B. GlucaGen HypoKit von Novo Nordisk) und seine Anwendung:
Glocagon ist ein Hormon, welches die noch vorhandenen Zuckerreserven im Körper freisetzt. Es wird wie Insulin gespritzt und wirkt innerhalb von 10 Minuten. Das GlucaGen Hypokit besteht aus einer wassergefüllten Glasspritze und einem Fläschchen Glucagonpulver, welches dann als Gemisch verabreicht wird.

  • Zuerst entfernt man die Schutzkappe der Spritze, dann spritz man das Lösungsmittel in die mit Glucagon gefüllte Ampulle.
  • Ohne die Nadel zu entfernen, schüttelt man die Ampulle, bis sich das Pulver vollständig aufgelöst hat.
  • Nun zieht man die ganze Glucagon-Lösung in die Spritze auf.
  • Die Injektion verabreicht man senkrecht in Oberschenkel, Gesäß oder Bauch. Achtung! Kinder unter 25 kg erhalten nur die halbe Dosis.

Tipp: Haben Sie noch kein Glucagon im Hause, so lassen Sie es sich von Ihrem Arzt verordnen. Üben Sie mit Ihrem Umfeld und lassen Sie sich z.B. von Ihrem Partner gelegentlich mal Ihre gewohnte Insulinspritze oder Pen verabreichen. Das baut Hemmungen ab und es fällt im Notfall leichter zu spritzen.

Fazit

Lernen Sie aus jeder Hypo, denn die Ursachenforschung ist für Ihre Zukunft wichtig. Überlegen Sie, wie oder warum es zu einer Unterzuckerung kam und welche Konsequenzen sich evtl. daraus ergeben können? Muss Ihr Zielwert kurz- oder langfristig erhöht werden oder auch Ihre Insulindosis verändert werden? Besprechen Sie Ihre Analyse mit Ihrem Diabetologen. Je mehr Sie sich mit den Ursachen auseinandersetzen und handeln, um so mehr können Sie zukünftigen Hypos vorbeugen.

Wie Sie einer Unterzuckerung vorbeugen können

  • Haben Sie für alle Fälle immer ein paar Täfelchen Traubenzucker dabei.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Blutzuckerwerte.
  • Essen Sie vor körperlichen Belastungen bitte zusätzlich 2 Brot-Einheiten (BE).
  • Längere körperliche Anstrengungen können eine Senkung der Insulindosis erforderlich machen. Sprechen Sie also vorher unbedingt mit Ihrem Hausarzt.
  • Halten Sie Ihren Ernährungsplan ein und beachten Sie die Wirkung von Alkohol.

 

Autor:
Reinhard Stender
Webmaster und Online-Redakteur des
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
E-Mail: reinhard.stender@diabetikerbund-hamburg.de

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