Zur Navigation springen | Zum Inhalt springen | Zur Zweitnavigation springen | Zur Suche springen
Zweitnavigation

Zoom:

Schriftfarbe ändern:

invertieren
|
zurücksetzen
zurück zur Rubrik
Leistungen » Hamburger Diabetikertag »
Sie befinden sich in der Rubrik
Grußworte der Schirmherrin

Grußworte der Schirmherrin

Am 23.02.1997 fand im Hamburger CURIO-Haus der 7. Hamburger Diabetiker-Tag unter dem Motto "Gute Diabetesbetreuung Glücksache" statt.

Es folgt der Text der Begrüßungsansprache der Hamburger Gesundheitssenatorin Dr. Helgrit Fischer-Menzel:

"Sehr geehrter Herr Harms,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

ich freue mich sehr Sie im Namen des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg anläßlich des 7. Hamburger Diabetikertages begrüßen zu dürfen.

Gute Diabetesbetreuung Glücksache. Diesen Titel haben Sie für Ihre Veranstaltung gewählt. Wenn man sich vor Augen führt, daß heute etwa 2.5% bis 4.3% der Bevölkerung an Diabetes erkrankt sind, darf eine gute Diabetesbetreuung keine Glücksache sein. 2.5 bis 4.3 - dies bedeutet, daß in der Bundesrepublik etwa 4 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sind. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist sogar zu erwarten, daß diese Zahl schon in wenigen Jahren auf 6 Millionen ansteigen wird. Allein in Hamburg sind etwa 88.000 Menschen betroffen und jährlich werden mehr als 8.000 Neuerkrankungen festgestellt. Dem müssen noch die unerkannten Diabetesfälle hinzugerechnet werden, deren Häufigkeit etwa bei 1% der Bevölkerung liegt und die wegen der imensen Folgeschäden für eine frühestmögliche Erkennung von großer Bedeutung ist.

Klar wird angesichts der erdrückenden Zahlen: Bei jeder chronischen Krankheit handelt es sich nicht etwa um ein Randproblem der Gesundheitsversorgung. Angesicht dieser Grundverbreitung, aber auch angesichts der anschließenden Konsequenzen für die davon betroffenen Menschen, kommt deshalb der Diabetesprävention eine besondere Rolle zu. Diabetes ist eine Krankheit bei der eine Prävention sowohl im Sinne einer Primär- als auch einer Sekundärprävention möglich ist. Während die akuten Komplikationen wegen der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten inzwischen in den Hintergrund getreten sind, haben die chronischen Folgekrankheiten an Bedeutung gewonnen. Dies, obwohl in der ambulanten als auch in der stationären Versorgung die Methoden, Mittel und Konzepte existieren, um die Komplikationen des Diabetes zu minimieren und die Lebensqualität der Patienten zu erhalten. Im Gegensatz zu anderen Krankheiten gibt es hier den konzeptionellen Vorsprung, daß erprobte, auf internationale Erfahrungen beruhende Richtlinien und Leitlinien existieren, wann welche Methode bei welchem Patienten zur Anwendung kommen sollte, um ein Optimalergebnis der Behandlung und Betreuung zu erreichen. In einem weiteren Feld besteht in der Diabetesversorgung ein konzeptueller Kursdruck.

Mit der St.Vinzent-Deklaration, die auch von uns mitgetragen wird, sind klare Ziele formuliert. Und trotzdem: Diabetes ist bei uns immer noch die häufigste Ursache von Erblindungen, von nicht-traumatischen Beinamputationen und chronischem Nierenversagen. Herzinfakt und Schlaganfall sind bei Diabetikern wesentlich häufiger als bei Nichtdiabetikern. Dieses ist um so tragischer, weil diese Folgeerkrankungen in vielen Fällen vermeidbar sind. Leider habe ich den Eindruck, daß die Entwicklung des Gesundheitsversorgungssystems nicht immer mit den gewonnenen Erkenntissen über diese Krankheit mitgehalten hat. Beispielsweise ist es schwierig, unter den gegebenen Rahmenbedingungen eine durchgängige Versorgung von der Prävention über die Akutversorgung bis hin zur Rehabilitation zu organisieren. Auch hier ist es die Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung, die allgemein als unbefriedigend angesehen werden muß. Wir brauchen deshalb eine Entwicklung hin zu einem durchgängigen System der Versorgung, in dem Diabeteskranke entsprechend ihren medizinischen und auch psychsozialen Bedürfnissen jeweils in der adäquaten Versorgungsstufe betreut werden und in dem zwischen den Versorgungsstufen eine Vernetzung und Kooperation stattfindet.

Gerade aus diesem Grund möchte ich doch zu einem Punkt, der zur Zeit in Hamburg durchaus kontrovers diskutiert wird, einige Ausführungen machen. In Hamburg steht über die Betreuung von Diabetikern durch die Hausärzte hinaus mit den Schwerpunktpraxen, der Diabetikerzentrale und den spezialisierten Einrichtungen an den Krankenhäusern ein leistungsfähiges Angebot zur Verfügung. Wenn auch aus Sicht der kassenärztlichen Vereinigung die Aufgaben und Möglichkeiten der Diabetikerzentrale neu definiert werden müssen, sollte berücksichtigt werden, daß jedes dieser Angebote spezielle Vorteile hat und von seiner Struktur, seinem Hintergrund und seiner Erfahrung für spezifische Bedürfnisse besonders geeignet ist. Hier haben auch die Entscheidungen bezüglich der ambulanten Versorgung keinen Einfluß. Die Diskussion, ob die spezialisierte ambulante Versorgung eher als Krankenhausambulanzen, bei niedergelassenen Ärzten oder bei der Diabetikerzentrale angesiedelt sein sollte, ist aber aus meiner Sicht nicht zielführend. Vielmehr sollten die Aufgaben der verschiedenen Versorgungsinstanzen beschrieben, gegebenenfalls auch neu definiert werden und dann Vermessungs- und Kooperationsstrukturen aufgebaut werden, die vor allem den Patientinnen und Patienten dienen.

Sehr geehrte Damen und Herren, gestatten Sie mir zum Abschluß eine kurze Bemerkung zu der derzeit sehr ökonomisch geführten Diskussion über das Gesundheitswesen. Der Nutzen der Gesundheitsversorgung für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft wird dabei häufig außer Acht gelassen. Nutzen bedeutet dabei nicht nur, daß ein medizinisches Behandlungsziel erreicht wird, oder daß zum Beispiel durch die Verbreitung von Pflegebedürftigkeit Ausgaben geringer werden. Die Versorgung im Gesundheitswesen muß sich neben dem Ziel Wirtschaftlichkeit, Effektivität und Effizienz auch an den Ergebnissen für die Betroffenen, an deren Lebensqualität und deren Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Die bundespolitischen Vorgaben für diesen Bereich zielen jedoch im Kern allein auf Ausgabenkürzungen und auf Einnahmeverbesserungen durch eine noch stärkere Selbstbeteiligung der Betroffenen. Daß dadurch vor allem chronisch Kranke besonders belastet werden, brauche ich Ihnen - meine Damen und Herren - sicherlich nicht erklären. Meine Sorge gilt darüber hinaus dem Fortbestand unseres bewährten und solidarisch organisierten Krankenversicherungssystems insgesamt. Bei dem die Gesunden für die Kranken mitbezahlen, weil es jedem von uns irgendwann einmal treffen kann. Hier gilt es politisch wachsam zu sein, damit wir nicht Morgen schon vor einem Scherbenhaufen stehen. Deshalb muß auch die paritätische Finanzierung Grundlage unserer sozialer Sicherungssysteme bleiben.

Sehr geehrte Damen und Herren, Sie haben heute einanspruchsvolles und interessantes Programm vor sich. Ich wünsche Ihnen einen guten und erfolgreichen Verlauf. Durch Veranstaltungen wie diese tragen Sie mit dazu bei, daß eine gute Diabetesbetreuung keine Glücksache bleibt.

Ich danke Ihnen."

Es gilt das gesprochene Wort.

Dr. Helgrit Fischer-Menzel
Hamburger Gesundheitssenatorin

 

Autor:
Reinhard Stender
Webmaster und Online-Redakteur
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
E-Mail: reinhard.stender@diabetikerbund-hamburg.de

Zeiger nach obennach oben