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Kurzbericht über den 7. Hamburger Diabetikertag

Kurzbericht über den 7. Hamburger Diabetikertag

am 23. Februar 1997, in den Räumen des Curio-Haus, Rothenbaumchaussee 13, 21029 Hamburg.

Eine Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der Hamburger Gesundheitssenatorin Frau Dr. Helgrit Fischer-Menzel.

Der 7. Hamburger Diabetikertag steht unter dem Motto: "Gute Diabetesbetreuung Glücksache” - Zum Stand der Diabetesversorgung in Hamburg.

Über 900 Besucher informierten sich am DDB-Stand, drängten sich durch die Industrieausstellung und folgten aufmerksam dem Programm im großen Saal.

Grußworte der Gesundheitssenatorin:
Auf das provozierende Motto ging die erstmals persönlich erschienene Gesundheitssenatorin Dr. Fischer-Menzel in ihren Ansprache ein und führte aus, daß bei etwa 88.000 Diabetikern in dieser Stadt eine gute Diabetesbetreuung keine Glücksache sein darf. Sie forderte eine "Entwicklung hin zu einem durchgängigen System der Versorgung, in dem Diabeteskranke entsprechend ihren medizinischen und auch psychsozialen Bedürfnissen jeweils in der adäquaten Versorgungsstufe betreut werden und in dem zwischen den Versorgungsstufen eine Vernetzung und Kooperation stattfindet". Die Diskussion, ob die spezialisierte ambulante Versorgung eher als Krankenhausambulanzen, bei niedergelassenen Ärzten oder bei der Diabetikerzentrale angesiedelt sein sollte, bezeichnete sie als "nicht zielführend".

Die Podiumsdiskussion:
Eines der herausragenden Ereignisse dieses Tages war die Podiumsdiskussion zum Stand der Diabetesversorgung in Hamburg. Unter der Leitung von Bernd Seguin vom NDR diskutierten Prof. Dreyer vom Krankenhaus Bethanien, Dr. Flinker von der Arbeitsgemeinschaft niedergelassener diabetologisch tätiger Ärzte, Dr. Gollert vom Verband der Angestelltenkassen, Dr. Hach von der kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, sowie Lorenz Harms und Axel Hirsch vom DDB über die momentane und zukünfige Versorgungssituation der Menschen mit Diabetes in dieser Stadt. Zentrales Thema war die Zukunft der Diabetikerzentrale. Bestätigten alle Teilnehmer ausdrücklich die medizinische Kompetenz der Diabetikerzentrale, so war man sich dennoch über deren Notwendigkeit uneinig.

Bild der Podiumsdiskussion

Dr. Gollert erklärte, daß diese Einrichtung zwar eine gutachterlich bestätigte Existenzberechtigung hat, man aber den "rechtsfreien Raum" verlassen möchte, da es nicht sein kann, daß eine Diabetikerzentrale existiert, aber keine Berechtigung hat, ein Rezept Ausschreiben zu können.

Prof. Dreyer erklärte unter lautem Applaus: "Die Diabetikerzentrale in Hamburg ist unverzichtbar!" Er bemängelte, daß gar nicht mehr diskutiert wird, wie man die Diabetikerversorgung verbessert, sondern ob man sie nicht verschlechtern kann.

Dr. Flinker verwies auf die mittlerweile 250 Hausärzte in Hamburg, die sich weiterqualifiziert haben und die Anerkennung als Diabetologen besitzen oder anstreben. Er deutete darauf hin, daß seine diabetologische Schwerpunktpraxis nicht ausgelastet ist, er Altersheime besuchen und Patienten mit Schnupfen behandeln muß, um über die Runden zu kommen.

Axel Hirsch störte "dieses ewige Gerangel um die Diabetikerzentrale, wo viele Diabetiker seit langer Zeit gut betreut werden". Drastisch formulierte er: "Das hängt uns zum Halse heraus". Anschließend thematisierte er die fehlenden Angebote für Diabetiker, die Probleme mit den Füßen haben.

Lorenz Harms forderte eine Qualitätssicherung der 250 Ärzte ein, die sich weitergebildet haben.

Dr. Hach meinte, es sei der bessere Weg, die bereits jetzt in den Stadtteilen bestehenden Arztpraxen so zu qualifizieren, daß sie die Arbeit - die notwendig ist - leisten können. Gleichzeitig verneinte er den Bedarf einer Diabetikerzentrale für ganz Hamburg.

Frau Berg von der Diabetikerzentrale meldete sich aus dem Publikum zu Wort. Sie berichtete, daß sie etwa 1.200 Patienten im Laufe eines Jahres betreuen, was etwa 1.5% aller Diabetiker von Hamburg sind. Alle Einrichtungen die sich in Hamburg um Diabetiker kümmern, sehen in diesem Jahr vielleicht 2%, wenn man ganz hoch rechnet 5% der Diabetiker von Hamburg. Weiter fragte sie: "Und was passiert mit den restlichen 95% ?".

Der Hauptvortrag:
Die Parole über die Prof. Berger aus Düsseldorf redete lautete: Der Diabetikeraufstand muß stattfinden. Mit spitzer Zunge kommentierte Prof. Berger dabei die Beiträge der beiden Interessenvertreter der KV und der Ersatzkassen auf der vorherigen Podiumsdiskussion. Er kritisierte die "großen Sprüche" von Vertretern der Kassen und der KV, von Ärzten und der Politik, die von Kongreß zu Kongreß reisen, dort große Absichtserklärungen, Wünsche und Forderungen formulieren und danach passiere doch nichts! Als Beispiel führte er die heutigen, enttäuschenden Ergebnisse der Forderungen von St. Vincent von 1989 an.

Prof. Berger apellierte an die Betroffene, bei dem nächsten Besuch in der Klinik oder bei der Schwerpunktpraxis nach Zahlen der Qualitätssicherung zu fragen. Denn: "Nur das Ergebnis zählt!" Leidenschaftlich forderte er die Patienten auf: "Wehren Sie sich! Stehen Sie auf! Fordern Sie medizinische Leistung: Die steht Ihnen zu!"

 

Autor:
Lars Jaschob
ehem. Redakteur der Mitgliederzeitschrift
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
webmaster@diabetikerbund-hamburg.de

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