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Grußworte der Schirmherrin

Grußworte der Schirmherrin

Am 01. April 2001 fand im Congress-Centrum Hamburg (CCH) der 9. Hamburger Diabetikertag unter dem Motto "Diabetes - alles Einstellungssache" statt.

Es folgt der Text der Begrüßungsansprache der Hamburger Gesundheitssenatorin Karin Roth:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich begrüße Sie ganz herzlich auf dem neunten Hamburger Diabetikertag.

Dass der Deutsche Diabetiker Bund diesen Tag schon zum neunten Mal veranstaltet, macht zweierlei deutlich:

Der Diabetiker Bund hat über lange Jahre hinweg eine hervorragende Arbeit geleistet, aber dennoch ist der Diabetes nach wie vor ein großes Problem.

Der Diabetes gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten, allein in Hamburg sind etwa 130.000 Menschen davon betroffen.

Nicht oder unzureichend behandelt führt er zu gravierenden Spätschäden wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, Blindheit und Durchblutungsstörungen mit der Folge einer Amputation - mehr als 500 jährlich in Hamburg.

Um diese Folgen möglichst zu verhindern, brauchen wir Prävention, die richtige Behandlung und starke Patienten!

Mit der St.-Vincent-Deklaration wurden vor mehr als zehn Jahren richtungsweisende Ziele für eine umfassende und wirksame Diabetes-Behandlung formuliert.

In Hamburg ist viel getan worden, um sie umzusetzen.

Es gibt stationäre und teilstationäre Schulungsangebote, die ambulante Versorgung wurde deutlich verbessert, die Diabetiker-Zentrale konnte abgesichert werden.

Trotzdem gibt es immer noch Defizite.

So gaben in einer vor einem Jahr durchgeführten Untersuchung 33% der befragten Diabetiker an, dass die letzte ärztliche Kontrolle der Füße mehr als ein Jahr zurücklag.

Diese Zahl zeigt, wie wichtig das "Netzwerk diabetischer Fuß" der Hamburger Gesellschaft für Diabetes ist, das vor kurzem erst eine Tagung zu diesem Thema veranstaltet hat.

Eine gute medizinische Versorgung ist also von entscheidender Bedeutung.

Aber sie allein reicht nicht aus, weil eine chronische Krankheit immer mehr als nur ein medizinisches Problem ist.

Mit einer chronischen Krankheit zu leben, heißt in vielen Fällen, das Leben neu zu lernen zu müssen.

Der Körper - oder besser, ein Teil des Körpers - versagt dauerhaft oder völlig unkalkulierbar seinen Dienst.

Funktionelle Einschränkungen, Schmerzen und die Anpassung der Lebensweise an die Krankheit und ihre Behandlung führen zu einer deutlichen Minderung der Lebensqualität.

Für manche der Betroffenen sind diese Beschwerden so belastend, dass sie Ängste oder Depressionen entwickeln.

Aber das ist kein unausweichliches Schicksal!

Frau Professor Bullinger vom Institut für medizinische Psychologie des UKE hat für die Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales eine Studie zur Lebensqualität von Menschen mit chronischen Krankheiten in Hamburg durchgeführt.

Dabei wurden auch 207 Menschen mit Diabetes befragt. Ein wichtiges Ergebnis dieser Studie ist: Menschen, die ihre Krankheit nicht einfach nur erleiden, sondern sich aktiv mit der Krankheit auseinandersetzen und etwas für sich tun, können trotz der krankheitsbedingten Einschränkungen ein ebenso erfülltes Leben führen wie die sogenannten Gesunden.

Für eine gelungene Krankheitsbewältigung brauchen sie aber Unterstützung - bei der Suche nach Information, bei der emotionalen Verarbeitung ihrer Situation und bei der Bewältigung des Alltags.

Das Medizinsystem mit seiner kurativen Ausrichtung und seiner Beschränkung auf den kranken Körper ist dazu nur eingeschränkt in der Lage, auch das soziale Umfeld ist häufig überfordert.

Aber - es gibt die Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen!

Was sie leisten, ist wirklich beeindruckend.

Der Landesverband Hamburg des Deutschen Diabetiker Bundes hat eine große Zahl aktiver Mitglieder und ich wünsche Ihnen, dass es durch diesen Tag noch ein paar mehr werden. In den Gruppen und Veranstaltungen, aus den Rundbriefen und den Internet-Seiten erfahren Ihre Mitglieder:

Sie sind nicht allein, sie können etwas für sich tun, sie können durch den Austausch von Erfahrungen und gemeinsame Aktivitäten die Krankheit bewältigen.

Dieses Jahr ist das Jahr des Ehrenamtes. Gerade die Selbsthilfeverbände, in denen sich chronisch kranke Menschen zusammengeschlossen haben, sind ein beeindruckendes Beispiel für die Kompetenz, das Engagement und die Mitmenschlichkeit, die ehrenamtliche Arbeit auszeichnen.

Für ihre engagierte Arbeit gebührt Ihnen großer Dank und Anerkennung.

Die Bundesregierung hat durchgesetzt, dass die Unterstützung von Selbsthilfe und Gesundheitsförderung wieder in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wurden.

Ich hoffe, dass wir in Hamburg bald zu einer konkreten Umsetzung der Selbsthilfeförderung kommen und bin sicher, dass dann auch Ihre Arbeit besser als bisher gefördert werden kann.

Ich wünsche diesem neunten Diabetikertag einen erfolgreichen Verlauf!

Vielen Dank!"

Karin Roth
Hamburger Gesundheitssenatorin

 

Autor:
Reinhard Stender
Webmaster und Online-Redakteur
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
E-Mail: reinhard.stender@diabetikerbund-hamburg.de

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