Grußworte des Schirmherrn
Am 02.04.2005 fand im Congress-Centrum Hamburg (CCH) der 11. Hamburger Diabetikertag unter dem Motto "Diabetes - na und?!" statt.
Es folgt der Text der Begrüßungsansprache des Staatsrats Dr. Roland Salchow der Hamburger Behörde für Wissenschaft und Gesundheit:
"Sehr geehrter Herr Henning,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich habe mich über die Einladung zum Hamburger Diabetikertag sehr gefreut und möchte Sie sehr herzlich im Namen des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg begrüßen. Diese Grüße darf ich Ihnen auch im Namen von Herrn Senator Dräger, dem Schirmherren Ihrer heutigen Veranstaltung, übermitteln, der gern zu Ihnen gesprochen hätte.
Der Hamburger Diabetiker Tag wird heute nun zum elften Mal seit 1985 veranstaltet. Für dieses nachhaltige Engagement möchte ich dem Deutschen Diabetiker Bund sehr danken. Gleichzeitig verdeutlicht es uns aber, dass der Diabetes nach wie vor ein großes Problem für die Betroffenen darstellt. Der Diabetes gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten und allein in Hamburg sind etwa 130.000 Menschen davon betroffen. Nicht oder unzureichend behandelt kann er zu gravierenden Spätschäden führen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, Blindheit und Durchblutungsstörungen mit der Folge einer Amputation.
Das Thema "Diabetischer Fuß" ist hierfür geradezu ein Paradebeispiel. Im Zuge eines Diabetes mellitus erkranken 5% aller Patientinnen und Patienten an einem Diabetischen Fuß. Diese Patienten haben ein 20fach höheres Risiko für eine Amputation gegenüber einem Menschen ohne Diabetes und das häufig nur, weil Verletzungen nicht rechtzeitig erkannt und in der Folge aufgrund von Unkenntnis nicht richtig behandelt werden.
Das Ziel der St. Vincent-Deklaration, Amputationen bei Diabetikern innerhalb von 10 Jahren weltweit um die Hälfte zu reduzieren, konnte leider nicht erreicht werden. Wie brisant aber die Situation ist, erkennen Sie an den Zahlen: In Deutschland werden bis zu 27.000 Fuß- und Unterschenkelamputationen bei Menschen mit Diabetes jährlich durchgeführt. Noch immer ist der Diabetes somit die häufigste Ursache für Amputationen, auch in Deutschland.
Um diese Folgen möglichst zu verhindern, brauchen wir Prävention, die richtige Behandlung und starke Patienten!
In Hamburg selbst ist bereits viel getan worden. Unsere Herausforderung ist es, die vorhandenen und qualitativ hochwertigen "Einzelangebote" zu einem vernetzten System zu verbinden, um die Qualität der Patientenversorgung weiter zu verbessern. Eine besondere Bedeutung haben neben den Experten mit Diabetes-Schwerpunktpraxen oder Kliniken mit diabetischem Schwerpunkt die Hausärzte. Sie sind wichtige Lotsen oder Case-Manager für den Diabetespatienten. Auch durch Disease-Management-Programme und vor allem durch neue Formen der integrierten Versorgung können die Behandlungsergebnisse des Diabetes und seiner Komplikationen weiter verbessert werden. Mithelfen und mitarbeiten können aber auch die Betroffenen selbst. Sie haben es in der Hand dazu beizutragen, ihre gesundheitliche Belastung zu vermindern oder gar zu vermeiden.
Eine gute medizinische Versorgung ist also von entscheidender Bedeutung. Aber eine chronische Krankheit immer mehr als nur ein rein medizinisches Problem. Mit einer chronischen Krankheit zu leben, heißt in vielen Fällen, das Leben neu zu lernen zu müssen. Der Körper - oder besser, ein Teil des Körpers - versagt dauerhaft oder völlig unkalkulierbar seinen Dienst. Funktionelle Einschränkungen, Schmerzen und die Anpassung der Lebensweise an die Krankheit und ihre Behandlung führen zu einer deutlichen Minderung der Lebensqualität. Für manche der Betroffenen sind diese Beschwerden so belastend, dass sie Ängste oder Depressionen entwickeln.
Für eine gelungene Krankheitsbewältigung brauchen Sie aber Unterstützung - bei der Suche nach Information, bei der emotionalen Verarbeitung ihrer Situation und bei der Bewältigung des Alltags.
Das Medizinsystem mit seiner kurativen Ausrichtung und seiner Beschränkung auf den kranken Körper ist dazu nur eingeschränkt in der Lage. Auch das soziale Umfeld ist häufig überfordert.
Aber - es gibt die Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen! Was sie leisten, ist wirklich beeindruckend. Der Landesverband Hamburg des Deutschen Diabetiker-Bundes hat eine große Zahl aktiver Mitglieder und ich wünsche Ihnen, dass es durch diesen Tag noch ein paar mehr werden. In den Gruppen und Veranstaltungen, aus den Rundbriefen und den Internet-Seiten erfahren Ihre Mitglieder: Sie sind nicht allein, sie können etwas für sich tun, sie können durch den Austausch von Erfahrungen und gemeinsame Aktivitäten die Krankheit bewältigen. Für ihre engagierte Arbeit gebührt Ihnen großer Dank und Anerkennung.
Der diesjährige Diabetikertag steht unter dem Motto "Diabetes - na und?!" Auf ihrem Ankündigungsplakat, das Sie sicher alle kennen, ist unter diesem Motto ein großes Stück Torte abgebildet. Als ich es zuerst gesehen habe, war ich etwas ratlos. Soll damit Appetit auf diese Veranstaltung geweckt werden? Oder ist es als Provokation gedacht?
Trotz aller Fortschritte in der Therapie ist der Diabetes eine gewaltige Herausforderung für die Betroffenen: Wollen Sie Folgekrankheiten vermeiden, müssen sie ihr Leben ganz erheblich umstellen. Aber ihr Plakat kann auch ganz anders interpretiert werden: Auch mit einem Diabetes können Sie das Leben (und das Essen) genießen - Sie müssen bloß wissen, wie! Und dazu können Sie heute eine Menge lernen.
Ich wünsche Ihnen für den elften Diabetikertag in Hamburg einen erfolgreichen Verlauf, gute Gespräche und interessante Vorträge und Diskussionen.
Vielen Dank!"
Es gilt das gesprochene Wort.
Dr. Roland Salchow
Staatsrat der Hamburger Behörde für Wissenschaft und Gesundheit
Autor:
Reinhard Stender
Webmaster und Online-Redakteur
Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e.V.
E-Mail:
reinhard.stender@diabetikerbund-hamburg.de






