Weinkönigin Julia Klöckner und die ganz persönliche Freude am Zucker

Weinkönigin Julia Klöckner und die ganz persönliche Freude am Zucker

Wahrscheinlich sind wir Diabetiker der Ernährungsministerin  ja einfach nur schnuppe. Oder stören wir ihr harmonisches Verhältnis zur Lebensmittelindustrie?  Jedenfalls lehnt Julia Klöckner  – im Gegensatz zu ihren Kollegen in Frankreich, Belgien, Spanien und Großbritannien – eine Lebensmittelampel ebenso ab wie eine „Limo“-Steuer. Auch mag sie die an Kinder gerichtete Werbung keinesfalls einschränken. Deshalb will die Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG) auch  nichts mehr mit der CDU-Politikerin zu tun haben. Aus. Schluss. Feierabend.

 

Denn da würden wissenschaftliche  Erkenntnisse auf ganz und gar andere Interessen stoßen. „Die Zuckerreduktion ist nach weltweiter Erfahrung nur durch gesetzliche Maßnahmen erfolgreich“, erfuhr nicht nur Professor Andreas Pfeiffer, seines Zeichens Diabetes-Direktor an der Berliner Charité. Doch ungeachtet solcher Erkenntnisse setzt die  frühere „Weinkönigin“  Julia Klöckner auf den angeblich guten Willen der Lebensmittelhersteller.

 

Warum denn auch nicht? Schließlich lässt sie sich ja selbst gern vor deren Karren spannen, vertritt, zum Beispiel, als „Botschafterin des Bieres“ auch als gewählte Volksvertreterin ganz ungeniert deren Interessen. Die unverhohlene Nähe der früheren Religionslehrerin zum hiesigen Brauerbund kam wohl durch dessen Geschäftsführer zustande. Holger Eichele war unter Klöckners Vor-Vorgängerin Ilse Aigner Sprecher des Ernährungsministeriums. Da kennt man sich halt. Schließlich gibt es nur wenige Bereiche, in denen Politik und Wirtschaft so eng verflochten sind, wie im Ernährungssektor.

 

So wirbt die ausgebildete katholische Theologin Klöckner selbstredend für das altehrwürdige Familien-Weingut an der Nahe. Weiß sie doch ganz genau, um was es dabei geht. Nach ihrer Magisterarbeit „Struktur und Entwicklung der europäischen Weinmarktpolitik“ führte sie immerhin acht Jahre lang die Chefredaktion des Sommelier-Magazins.

 

Als Ministerin geht die Wein- und Bier-Lobbyistin nun ihren ganz eigenen Weg

K. Bl
ENDE
12.4.2019