Wählen Sie das Richtige – deshalb: Besser prüfen, um gesünder zu leben

Wählen Sie das Richtige – deshalb:

Besser prüfen, um gesünder zu leben

 

 

Machen Sie mit – es geht um Ihre Gesundheit! Mit welcher Lebensmittelbewertung hoffen Sie, sich künftig gesünder ernähren zu können? Rufen Sie uns an, schicken Sie uns eine Mail oder einen Brief. Ihre Meinung ist uns wichtig. Das Ergebnis veröffentlichen wir.

 

Vier Modelle aus den weltweit 120 wichtigsten Lebensmittelbewertungen stellt die Bundesregierung offiziell zur Auswahl: das französische Nutri Score, das BLL-Modell der hiesigen Lebensmittel-Industrie, das schwedische Keyhole-System und das eigens von der Regierung in Auftrag gegebene staatliche MRI-Modell. Wir haben uns alle vier angesehen und dann den Praxis-Test gewagt: Also uns bei Diabetikern informiert, in deren Ländern die Systeme Nutri Score – wie in Frankreich – und Keyhole – wie in Norwegen – bereits seit Jahren im Einsatz sind. Das Ergebnis: Nutri Score scheint okay zu sein, auch als App;  Keyhole sollten Sie vergessen.

 

Warum? Keyhole,  freiwillig und in Skandinavien nur hin und wieder eingesetzt, wird dort vom Verbraucher kaum beachtet. Das System Nutri Score hingegen bewährt sich seit Jahren in Frankreich, Belgien, Spanien und in der Schweiz. Das Berner Bundesamt für Lebensmittelsicherheit erklärt: „Nutri Score ist keine absolute Bewertung eines Produkts, sondern hilft, ähnliche Produkte miteinander zu vergleichen und eine bewusste Wahl zu treffen.“

 

Und bei uns? Hierzulande wettert die dafür zuständige Ernährungsministerin Julia Klöckner gegen Nutri Score („Bringt Verwirrung“) und hofft wohl eher auf die Ampel-Modelle jener Hersteller, die ihr am Herzen liegen, zum Beispiel auf das des Hauses Nestlé. Doch das entpuppte sich jüngst als Mogelpackung. Warum? Üblicherweise vergleichen sich alle Modelle auf der sogenannten 100-Gramm-Basis, nicht aber das der Firma Nestlé. Damit dessen Schoko-Riegel einigermaßen akzeptabel daherkommen, definierte Nestlé seine Portion nur mit 30 Gramm, verkauft aber seine Riegel in Packungen mit 42 oder 65 Gramm. Ein Verwirrspiel.

 

Aufklären statt verwirren soll nach dieser Umfrage künftig die Vorderseite unserer verpackten Lebensmittel. Mit der in West-Europa im Betrieb befindlichen Ampel scheint das am ehesten möglich zu sein. Aber möglichst bald, denn die Zeit drängt. In Deutschland leben derzeit mehr als acht (!) Millionen Diabetiker, Tendenz steigend. Hauptursache bleibt das Übergewicht, infolge falscher Ernährung. 59 % aller Männer und 37 % aller Frauen gelten schlicht als viel zu dick. Und auch hier zeigt die Tendenz nach oben, weil schon 13 Prozent unserer Kinder übergewichtig sind. Und auch sie nehmen zu, Tag für Tag.

 

Und das sind die vier Modelle, die in Deutschland zur Auswahl stehen:

 

Nutri-Score

 

Der fünf stufige Nutri-Score ist eine Kombination aus Buchstaben und Farben. Sie erinnern an eine Ampel: Dunkelgrün, Hellgrün, Gelb, Orange, Rot. Die Kennzeichnung soll auf der 100-Gramm-Basis zeigen, wie vorteilhaft das Nährstoffprofil eines Lebensmittels ist.

Beispiele: Positiv bewertete Nährstoffe und Inhaltsstoffe (Eiweiß, Ballaststoffe, Obst, Gemüse, Nüsse) erhalten Negativpunkte.

Negativ bewertete Nährstoffe (Energie, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz) bekommen Positiv-punkte.

Beides wird miteinander zu einer Gesamtbewertung verrechnet.

Detaillierte Angaben zu Zucker, Fett oder Salz fehlen beim Nutri-Score.

In West-Europa seit Jahren vom Verbraucher angenommen.

 

BLL-Modell

 

Das BLL-Modell wurde vom Lebensmittel verband Deutschland entwickelt. Es gibt in fünf Kreisen auf der 100-Gramm-Basis den Gehalt von Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz an. Innerhalb dieser Kreise zeigen farbige Tortendiagramme an, welchen Anteil 100 Gramm des Lebensmittels an der in Europa empfohlenen Referenz menge für einen durchschnittlichen Erwachsenen ausmachen. An der Zahl der gegessenen Tortenstücke kann jeder sehen, wie viel er an Energie und Nährstoffen aufgenommen hat. Diese Kennzeichnung soll auf der Vorderseite von verpackten und verarbeiteten Lebensmitteln verständlich abgebildet werden. Vielleicht zu viel Rechnerei für den Verbraucher.

 

Keyhole

 

Das Keyhole-Modell wurde 1989 von der schwedischen Lebensmittelbehörde „Livsmedelsverket“ entwickelt. Diese Kennzeichnungs-Modell stellt grafisch ein weißes Schlüsselloch auf grünem Grund dar. Es wird in mehreren skandinavischen Staaten (Norwegen, Dänemark, Schweden, Island) bewusst auf freiwilliger Basis in der Praxis benutzt. Zur Entscheidung, ob ein Produkt gekennzeichnet werden darf, werden die spezifischen Grenzwerte für Nährstoffgehalte auf 100-Gramm-Basis herangezogen. Für den Verbraucher etwas unübersichtlich, zumal sich das Modell zwar auf frische und unverpackte Produkte bezieht, sich aber nur zur Kennzeichnung ausgewählter vorgefertigter Produkte eignet. Nicht sinnvoll: Getränke werden gar nicht gekennzeichnet.

 

MRI-Modell

 

Im Auftrag des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat das staatliche Max-Rubner-Institut ein Modell entwickelt, das verschiedene Elemente bestehender Systeme zusammen führen soll. Es gibt in fünf Waben den Gehalt von Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm des Lebensmittels an. Sie erhalten eine türkis-farbige Hinterlegung, wenn die enthaltenen Mengen einen niedrigen Energie-Gehalt darstellen. Farbige Waben wiederum zeigen, ob ein Lebensmittel energiearm, fettarm, arm an gesättigten Fettsäuren, zucker- oder salzarm ist. In einer großen Wabe gibt es die Gesamtbewertung des jeweiligen Nährstoff-Profils. Etwas umständlich, kommt aber dem Nutri-Score schon recht nahe.

KBL