Auf „Bösewicht“ Drosten ruhen unsere Hoffnungen

Er kann keinen Schritt mehr ohne Polizeischutz wagen – nirgendwohin, nicht ins Labor, nicht privat. „Denn ich lebe unter Morddrohungen“, bekennt Christian Drosten in einem ausführlichen Interview mit dem britischen „Guardian“. Dem couragierten Weltblatt erklärt der Berliner Virologe: „Für viele Deutsche bin ich der Bösewicht, der die Wirtschaft gefährdet.“

Denn in Deutschland werde der milde Pandemie-Verlauf als Argument benutzt, die bisherigen Maßnahmen als übertrieben zu werten. Deshalb, so der „Guardian“, würden die Menschen auf die Straße gehen. Jedoch nicht nur, um gegen die erhobenen Maßnahmen zu protestieren, sondern im Grunde gegen Corona.

Proteste können das Virus freilich nicht vertreiben – was also nun? Einige drohen Drosten mit dem Tode, andere führen sich auf, wie weiland die Blockwarte im tausendjährigen Reich: Muß Witwe Krause wirklich jeden Tag einkaufen? Der alte Lehmann fünfmal seinen Dackel ausführen? Und die Rothaarige von gegenüber jeden zweiten Tag joggen?

Dass so etwas den einen oder anderen nervt und er es deshalb im Hausflur ans schwarze Brett schreibt oder ins Internet stellt – das alles wäre nicht passiert, hört man, wenn Drosten und Konsorten die Finger von Corona gelassen hätten. Dann wüssten wir nämlich fast nichts darüber.

Aber Drosten forscht unermüdlich weiter. Trotz Morddrohungen. Und bleibt deshalb unsere Hoffnung.

Bl.

  1. 04. 2020