Das Abendessen – ein Fest des Tages

Ich kann jetzt selber Senfsoße machen – Mehlschwitze, Gemüsebrühe, zwei Sorten Senf  – dazu hartgekochte Eier. Es wird nie wieder etwas anderes bei uns geben. Denn dank Corona wurde bei uns noch nie so viel gekocht, wie in den letzten acht Wochen. Auch weil wir es gelernt haben, richtig einzukaufen und schnell zu kochen, gehen wir viel seltener ins Restaurant als früher. Wir bleiben lieber zu Hause.

Wobei wir Diabetiker schon immer am Herd gezaubert haben. Zwar zwangsläufig, aber dennoch mit viel Fantasie; vor allem aber mit unserem Blutzuckerspiegel im Blick. Doch Corona hat uns alle noch einmal beflügelt. Nach der Senfsoße habe sogar ich mich an die berühmte Frankfurter Grüne Soße gewagt. Ohne auch nur eines der zur Zeit angebotenen 247 (!) vegetarischen Kochbücher zu wälzen.

Das „Kochen“ geht nämlich so:  Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpernelle, Sauerampfer und Schnittlauch klein hacken, dann Yoghurt drunter mischen, am besten den griechischen, und danach alles mit Salz und Pfeffer abschmecken – fertig. Haben Sie jetzt zu viel Kräuter geschnitten, verrühren Sie den Rest mit dem Mixer zu einer Gemüsebrühe – und schon entsteht ein grünes Pesto für Ihre gesunden Vollkornnudeln.

Und damit die Freude auf ein wunderbares, gemeinsames Abendessen mit Ihren Lieben. Mit langen Gesprächen, oft auch mit sorgenvollen – denn das gehört nun einmal zum Leben. Dennoch alles mit der unverhohlenen Freude, einander zuzuhören und gemeinsam das zu kosten, was auf den Familientisch gebracht wurde.

Die Freude an alledem schafft Vorfreude auf den nächsten Tag. Vor allem aber auf die Gemeinsamkeit des miteinander Schmeckens und Redens. Das allabendliche Essen sollte niemals, wie leider nur allzu oft, in teilnahmsloser Nahrungsaufnahme münden.  Es sollte vielmehr zu einem Fest des Tages werden – mit viel Freude, und noch viel mehr Hoffnung. Gerade in diesen Zeiten.

K.Bl. – 20. Mai 2020