Bitte, bleiben Sie gesund

Es stand am Schluss einer Meldung aus einem Pharma-Konzern: „Bitte, bleiben Sie gesund.“ Wer will einer so freundlichen Bitte nicht nachkommen? Doch im Ernst, wie kann ich – als Diabetiker, mithin chronisch Erkrankter – einen solchen Rat beherzigen?

„Bitte, bleiben Sie gesund“, diese Floskel zieht sich seit Wochen durch die Corona-Krise. Ebenso gedankenlos übernommen, wie die Plattitüden „am Ende des Tages“ oder „ein Stück weit.“ Oder das hochgestochene „Wir werden Sorge tragen“ – ja, wohin denn? Sich sorgen, reicht allemal.

„Bitte, bleiben Sie gesund“, eine solche, an einen chronisch Kranken gerichtete Botschaft, kann im Nu zum Verdruss führen. Der an Diabetes, Herzschwäche oder Krebs Leidende empfindet sie – je nach Gemütslage – bestenfalls als gedankenlos, schlimmstenfalls sogar als zynisch.

Vor Jahrzehnten unterzeichnete ein legendärer Olympia-Macher seine Episteln mit goldener Füllfeder und dem Gruß: „Haben Sie eine gute Zeit, Ihr . . .“  Weniger prätentiös, aber neutral, klänge heute: „Einen schönen Tag, Ihr . . .“  In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.

Bl.