Berührungen ersetzen jedes Wort

Kultur? Keine Bange, ich erzähle Ihnen nichts über Bach, Brecht oder Busch. Sondern übers Händeschütteln. Einem Teil unserer täglichen Umgangskultur. Die leider in Corona-Zeiten einem strikten Berührungsverbot unterliegt. Eigentlich schade, weil gegenseitiges Berühren ein menschliches Grundbedürfnis ist. Es vermittelt Stimmungen viel direkter als beflissene Worte. Es verschafft nicht nur Nähe, sondern auch eigene Sicherheit.

Freilich ist es richtig, derzeit einander Abstand zu halten. Weil es nun mal den wichtigsten Schutz vor Corona bietet. Vor allem für Diabetiker mit Nebenerkrankungen; obendrein für die über 65jährigen. Doch Einspruch: In einer Studie, durchgeführt an über 300 Senioren, haben Wissenschaftler im amerikanischen Pittsburg jetzt festgestellt, dass soziale Isolation sowohl die seelische wie auch die körperliche Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen. Übrigens schon in jüngeren Jahren.

Also war ich gestern mal wieder in der Hamburger Kunsthalle: Caspar David Friedrich – grandios! Aber eben nur auf meinem Bildschirm – daheim. Zurück blieb ein Gefühl der Leere. Und die Erkenntnis, diese Alternativen sind kein Ersatz, nicht mal ein Trost. Schlimmer noch: Irgendwann könnte uns dieser Ausnahmezustand eine neue Normalität vorgaukeln.

Davor sollten wir uns hüten. Denn menschliche Kontakte befördern nun einmal unser Wohlbefinden. Und unser Mitgefühl kommunizieren wir am ehesten durch Berührungen – wie sonst? Selbst regelmäßige Telefonanrufe können das nicht ersetzen.

Wir sollten sie dennoch führen – solange es Not tut. Doch keinen Tag länger.

K. Bl.