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Tablette statt Spritze? Die große Hoffnung: Insulin in der Hosentasche

Erstellt von Klaus Blume | |   Story der Woche

Die Hoffnung hatte sie zu keiner Zeit aufgegeben. Erst recht nicht nach Rückschlägen. So forscht denn die dänische Wissenschaftlerin Lotte Bjerre Knudsen bereits seit 27 Jahren nach der Verlässlichkeit einer Tablette gegen Diabetes. Nach einer Tablette, die anstelle der – weltweit – gebräuchlichen Insulin-Spritze eingesetzt werden kann. Nach vielen Jahren der Hoffnung und Fehlschläge könnte jetzt wahr werden, was Lotte Bjerre Knudsen ein Forscher-Leben lang angestrebt hat: Eine  Tablette als besondere Hilfe für Typ-2-Diabetiker.  Das Insulin in der Hosentasche.

Denn neben ihrem Labor in Malöv bei Kopenhagen, vermeldete die eher zurückhaltende Neue Zürcher Zeitung, „befindet sich bereits die brandneue Fertigungsstätte für die kommerzielle Herstellung der Tabletten, von denen sich Novo Nordisk nicht nur einen technologischen Durchbruch, sondern auch jährliche Einnahmen in Milliardenhöhe verspricht. Wenn alles gutgeht, soll dort bereits 2019 die Massenproduktion anlaufen.“

Verheißt das für all‘ jene Diabetiker, die tagein, tagaus, von morgens bis in die Nacht hinein, zur Insulin-Spritze greifen müssen, wirklich die erhoffte goldene Zukunft? Mit der Insulin-Tablette sorglos in die weite Welt reisen zu können? Beim dänischen Pharma-Riesen Novo Nordisk scheinen sie davon überzeugt. „Den Bau der Fabrik in Malöv sowie die Errichtung einer für die Fertigung des Wirkstoffs bestimmten zusätzlichen Produktionsstätte in den Vereinigten Staaten lässt sich das Unternehmen  zwei Milliarden Dollar kosten“, erkundete die Neue Zürcher Zeitung und ließ sich diese Nachricht bestätigen.

Vorausgegangen waren aber nicht nur jahrelange Forschungen der dänischen Wissenschaftlerin Knudsen und deren Crew, sondern vor allem die im dänischem Auftrag ausgeführten Arbeiten des deutschen Profil-Institut für Stoffwechselforschung in Neuss und Mainz. Dessen Wissenschaftler legten auf der Wissenschaftstagung der amerikanischen Diabetesgesellschaft ADA 2017 in San Diego zum ersten Mal eine ernst zu nehmende  Studie in Sachen „Insulin-Tablette“ vor. Übrigens nach fast einhundert Jahren verschiedenster Forschungen in aller Welt. Die Ergebnisse der deutschen Wissenschaftler aber –  so die ADA-Experten – würden einen Meilenstein in der Diabetes-Forschung darstellen, denn sie könnten künftige Therapiemethoden  grundlegend verändern.

Hört sich alles nach Hoffnung an. Schließlich handelt es sich um die erste methodisch hochwertige Studie, bei der es gelungen ist, bei Menschen mit  Typ-2-Diabetes das gespritzte Langzeitinsulin durch Insulin in Tablettenform zu ersetzen. Doch wann wird diese „Wunder-Tablette“ auf den Markt kommen? Wirklich schon 2019? Da herrschen vor allem bei unabhängigen Wissenschaftlern Zweifel. Zumal nicht nur Forscher in Dänemark, sondern auch andernorts, derzeit daran arbeiten, die Technologie der in den USA vorgestellten Tablette zu verbessern.

Wie lange so etwas dauern wird? Wieweit diese Arbeiten den vorgegebenen Kostenrahmen sprengen können? Niemand, so hört man, vermag diese Fragen derzeit zu beantworten. Auch nicht bei den Konkurrenten von Novo Nordisk, bei Sanofi und Eli Lilly, wo man sich ebenfalls mit dieser Thematik beschäftigt. Zumal der Markt für Insuline ständig wächst und enorme Umsätze verheißt. Nach Erhebungen der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) sind weltweit derzeit über 420 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. Doch die IDF-Experten befürchten schon in den nächsten Jahren einen rasanten Anstieg, den sie in erster Linie mit der zunehmenden Fettleibigkeit in aller Welt begründen. Schon jetzt seien 650 Millionen Menschen stark übergewichtig. Tendenz steigend.

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