Aktuelle Details

Vegan – aber mit viel Zucker

Erstellt von Klaus Blume | |   Story der Woche

Junge Frauen im Café. Ob der „Alt-Sächsische Apfelkuchen“ wirklich „vegan“ sei, erkundigt sich eine im vorwurfsvollen Ton. „Keine Frage“, heißt es. „Dann zwei Stück davon, mit  Milchkaffee – aber mit Sojamilch.“ Gott, wie gesund! Wirklich? Haut sich doch die eine zwei, die andere gleich drei Stück Würfelzucker in ihren Soja-Kaffee. Das bringe richtig Energie für die Radfahrt nach Hause, strahlt sie uns an.

Wie bitte? Kein Mensch braucht Zucker, um in Schwung zu kommen. Schon der „Alt-Sächsische Apfelkuchen“ hätte den gewünschten Energieschub für die Heimfahrt geliefert. Aus ihm hätte der Körper ganz allein Zucker hergestellt. Stattdessen haben die Beiden noch einmal extra Zucker nachgeschüttet. Macht übrigens fast jeder. Führt ja auf Dauer nicht gleich zu Diabetes. Aber Vorsicht, ständig erhöhter Zuckerkonsum fördert sukzessive das Entstehen von Übergewicht – und das begünstigt doch den Diabetes. So einfach ist das. Und so schlimm.

Noch schlimmer: Das Teufelszeugs Zucker nistet sich in den gleichen Ecken unseres Gehirns ein, wie Alkohol und Nikotin. Deshalb bezeichnen Wissenschaftler die meist von klein auf entstandene Gier nach Süßem auch als echte Sucht. Daran sollten jene Eltern denken, die ihre süßen Kleinen nach der Kita auf dem Nachhauseweg mit allerlei Naschzeug ruhig stellen oder – jetzt im Sommer – kiloweise mit Eis „belohnen“.

Ich beobachte das ständig. Zumal bei uns auf der Ecke ein Eis-Café aufgemacht hat. Die bulligen SUV‘s der Mütter bilden rund herum eine Respekt heischende Barrikade. Dahinter quengeln an die zwanzig Drei- bis Fünfjährige mit eisverschmiertem Gesicht: Mama, mehr Eis! Mehr Eis! „Lieber eine Limonade“, entscheidet eine der Mütter. Also noch mehr Zucker! Warum nicht, schüttet doch Glückshormone aus. Doch damit nimmt das ganze Elend seinen Anfang.

Inzwischen sind die Deutschen nämlich unangefochten Europameister im Schlucken zuckerhaltiger Limonaden. Deshalb fordern deutsche Mediziner und Wissenschaftler eine Steuer auf solche Getränke. Etwa 60 (!) Liter zuckerhaltiger Limonaden und Cola trinkt schon jeder Deutsche im Jahr. Summa summarum sind das 27 000 Kalorien. Glauben Sie nicht? Sogar in der „gesunden“ Bio-Limonade stecken sieben Zuckerwürfel; in einer Cola zehn.

„Magst a Zuckerl?“ Diese traditionelle Höflichkeitsfloskel aus dem zuckersüßen Mehlspeisen-Paradies Österreich hat längst überall Einzug gehalten, wo deutsch gesprochen wird. Sie gehört zum guten Ton, wenn auf einen Kaffee-Plausch gebeten wird. Weg damit! Trinken Sie Ihren Kaffee schwarz! Weil Zucker neben dem Glückshormon Deponin auch noch Serotin ausschüttet, was uns – nur ganz kurz – ein Gefühl der Gelassenheit, der inneren Ruhe und Zufriedenheit vorgaukelt. Süßen Sie also lieber mit Süßstoff. Oder Ähnlichem (siehe dazu unseren Service „Süßen ohne Zucker“).

Denn Zucker bleibt nun mal ein Hauptrisiko auf dem unaufhaltsamen Weg zum Übergewicht – und damit zu Stoffwechsel-Erkrankungen. Dabei wird Zucker raffiniert in allerlei Lebensmitteln versteckt, sogar in der Leberwurst, im „gesunden“ Vollkornbrot, im Fruchtjoghurt (bis zu acht Stück Würfelzucker!), vor allem aber in Fertiggerichten. Deshalb gibt es in einigen Ländern bereits Steuern auf Produkte, die Fehlernährung, Fettleibigkeit und Diabetes fördern: in Irland, Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Mexiko, Südafrika, Frankreich, seit April auch in Großbritannien.

Nur nicht bei uns. Ernährungsministerin Julia Klöckner hat eine solche Steuer (bisher) abgelehnt. Klar, als Spross einer Winzer-Familie, als ehemalige Weinkönigin und frühere Chefredakteurin des „Sommelier-Magazin“ ist ihr Süßes – schon von Haus aus – zwangsläufig fremd. Aber das lässt sich ja ändern – am besten aber schnell.

 

Süßen ohne ZUCKER

Es gibt eine ganze Reihe an pflanzlichem Zuckerersatz. Die derzeit acht aktuellsten Möglichkeiten stellen wir hier vor. Falls Sie darüber diskutieren wollen, falls Ihnen noch andere Arten bekannt sind – schreiben Sie oder rufen Sie uns an. Wir sind für jeden Hinweis dankbar.

 

Zuckerersatz Nr. 1: Stevia

Pflanzlicher Zuckerersatz, der den Blutzuckerspiegel nicht verändert. Ist zwar 300mal süßer als Zucker, eignet sich aber in Form kleiner Tabs hervorragend zum Süßen von Getränken. Beim Backen sollten Sie es – je nach Geschmack – mit anderen Zuckerersatzstoffen (wie Erythrit) mischen.

 

Zuckerersatz Nr. 2: Xylit

Birkenzucker, der auch aus Maiskolben hergestellt wird. Xylit hebt weder den Blutzucker-, noch den Insulinspiegel merklich an. Wird mengenmäßig wie Zucker verwendet. Nur nicht beim Backen: Bei Hefeteig muss etwas Zucker (bis zu zwei TL) zugegeben werden.

 

Zuckerersatz Nr. 3: Ahornsirup

Beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht so stark wie Haushaltszucker. Schmeckt nicht im Kaffee, aber im Tee. Auch zum Gebäck und zum Apfelstrudel.

 

Zuckerersatz Nr. 4: Yacon

Die südamerikanische Yaconwurzel sieht wie eine Süsskartoffel aus. Ist innerhalb der EU frei erhältlich und soll bei Diabetes, Nierenkrankheiten und Verdauungsschwierigkeiten helfen. Gibt es als Sirup und Pulver.

 

Zuckerersatz Nr. 5: Kokosblütenzucker

Naturbelassener Zucker aus dem Blütennektar der Kokospalme. Ist so süß wie Haushaltszucker und führt nur zu einem geringen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Schmeckt nach Karamell, kaum nach Kokos.

 

Zuckerersatz Nr. 6: Palmzucker

Wird so gewonnen wie der Kokosblütenzucker  und verändert den Blutzuckerspiegel kaum.

 

Zuckerersatz Nr. 7: Datteln

Sirup aus getrockneten Datteln – im Mixer mit etwas Wasser und Zitronensaft herstellen – ist zwar für Tee und Kaffee nicht geeignet, aber für alle anderen Drinks sowie für Kuchen und Gebäck.

 

Zuckerersatz Nr. 8: Das Rote-Bananenpulver

Vollwertiger Zuckerersatz für Desserts, Joghurts, Quarkspeisen, Smoothies – aber nicht für Tee und Kaffee.

Zurück