Selbsthilfegruppen Bergedorf

Die Bergedorfer Mischung: Ökotrophologie bei Selbstgebackenem

Der Weg bleibe das Ziel, sagt Thomas Utz, „gewissermaßen als Therapie fürs Leben.“ So sieht er seine Aufgabe als neuer Leiter unserer traditionellen Ortsteil-Gruppe in Hamburg-Bergedorf. Utz hat diese Herausforderung angenommen, nachdem die langjährige Gruppenleiterin Rosemarie Werth verstorben war. Die überaus agile Bergedorfer Gruppe besteht zum Großteil aus 75-jährigen Senioren, „mit Trend nach oben“ (Utz). Entsprechend sei das Programm zu gestalten. Einerseits sollten neben stets frisch gebrühtem Kaffee selbstverständlich nicht die selbstgebackenen Kuchen fehlen; andererseits aber auch nicht jene Vorträge, die den Alltag der älteren Bergedorfer widerspiegeln.

So wird eine Ökotrophologin ihr neuestes Wissen über Ernährung mit den neugierigen Bergedorfern teilen; andererseits ein ortsansässiger Polizist vor den immer raffinierter werdenden Enkel-Tricks berufsmäßiger Betrüger warnen.

Es wird mit Verve über Pflegevollmacht und Patientenverfügungen debattiert; ebenso wie über falsch eingestellte Instrumente. Mit anderen Worten: Es wird gewissermaßen eine Therapie für das Leben mit Diabetes im Alter angeboten. Diese typische Bergedorfer Mischung aus Miteinander und familiärer Geselligkeit, aus persönlichem Austausch und Fachvorträgen, gewürzt mit Alltags-Tipps will und wird nun auch Thomas Utz bedienen.

 

Selbsthilfegruppe Wandsbek

Die Wandsbeker Gruppe: Fast wie eine Familie

„Wir reden nicht nur über Diabetes“, sagt Maren Lühr. Schon gar nicht in der Corona-Zeit, in der sie mit allen Mitgliedern ihrer Wandsbeker Ortsgruppe telefoniert hat. Manchmal eine geschlagene dreiviertel Stunde lang.  „Schon, um sie aus ihrer Einsamkeit heraus zu holen.“ Maren Lühr, wie kaum eine Diabetes-Beraterin in der Hamburger Szene gefragt- ob von der Diakonie oder einer Gruppe Ernährungshelfern -führt seit zehn Jahren die rund 20jährige Ortsgruppe in Wandsbek.

Wobei Wandsbek nicht irgendein x-beliebiger Hamburger Stadtteil ist. Achim-Helge Marquard Freiherr von Beust regierte als Bezirksamtsleiter von 1954 bis 1980 den mit 435 000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Bezirk der Hansestadt. Eine Stadt in der Stadt.  In Bonn, der ehemaligen Bundeshauptstadt, leben gerademal 319 000 Bürger.

In Wandsbek, in der Ritterstraße 39, versammelt sich alle zwei Monate die Diabetes-Gruppe um Maren Lühr. Manchmal wolle man bei Kaffee und Keksen nur untereinander klönen – und nicht unbedingt über Diabetes reden. Aber auch dabei hat Maren Lühr einen Riecher dafür entwickelt, was die Gruppe wissen wolle. Was ihr gerade unter den Nägeln brennt, zum Beispiel das Thema „Vorsorge-Vollmacht“.

Ein Manko aber bleibt: Für Neueinsteiger ist es besonders schwierig, in diese homogene Gruppe hinein zu finden. Schließlich kennt man sich seit Jahr und Tag. Toleriert ohne Aufmucken die Eigenheiten des anderen, weil jeder weiß, warum der andere gerade nicht so gut drauf ist. Eine Gruppe, fast wie eine Familie. 

 

Selbsthilfegruppe Schnelsen

Die offene Ortsgruppe Schnelsen: Diabetes ohne Tüttelkram

Während in der Geschäftsstelle des Hamburger Diabetiker-Bundes so manches Thema noch Kopfzerbrechen bereitet, hat es die Ortsgruppe Schnelsen schon umgesetzt: Dort referieren Podologen nicht nur über Füße, sondern gucken sich die Füße der Teilnehmer auch an. Dergleichen macht Michaela Conrad seit 22 Jahren im Albertinen-Haus in Schnelsen möglich, an jedem ersten Donnerstag im Monat.

Es ist eine offene Gruppe – keine festen Teilnehmer, wie sonst in Hamburg üblich – die sich dort trifft.  Von Michaela Conrad unermüdlich über Wochenblatt-Beiträge, Anschläge in Arztpraxen und Apotheken, übers Internet, per WhatsApp und persönliche Telefonanrufe informiert.

Manche rufen aber auch Michaela Conrad an: Was gibt‘s Neues? Weil Einige nicht nur aus dem Nordwesten Hamburgs zu ihren Treffen kommen, sondern sogar aus dem benachbarten Bundesland, aus Schleswig-Holstein.

Und das, obwohl es in Schnelsen weder Kaffee noch Kuchen gibt. An Stelle geselligen Beisammenseins, wie andernorts, gibt‘s in Schnelsen jedoch Information pur – und immer geht‘s dabei, ohne Wenn und Aber, um Diabetes. Nur um Diabetes, ohne Tüttelkram. Das ist und bleibt in Schnelsen eisernes Prinzip. Und hat seine Anhänger gefunden.

In diesen unruhigen Zeiten, in denen Corona Zusammenkünfte verhindert, plant Michaela Conrad nun eine Video-Konferenz. Thema? Auf alle Fälle wird‘s um Diabetes gehen. Und wie immer – ohne Tüttel kram.